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Hintergründe

Champions League oder Auflösung? „Hooligans gegen Salafisten“ am Scheideweg

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 17. Oktober 2014

Keine Frage, ein Ziel hat die ominöse Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ erreicht – man spricht über sie. Kaum ein große Zeitung, in der die Gruppe kein Thema gewesen wäre. Zudem bespielen die grässlichen Bilder aus Syrien indirekt das Themenfeld der Stammtisch-Empörung, nach dem die „Hooligans gegen Salafisten“ ihre Segel ausgerichtet haben. Doch die von Haus aus eigentlich zutiefst verfeindete „Kampfgemeinschaft“ bastelt auch an der eigenen Demontage.

Während sich kleine Gruppen bereits abgesplittet haben, organisieren sich die selbsternannten Urheber zunehmend straffer. Dabei treten einschlägige Figuren aus dem rechten Milieu inzwischen in die erste Reihe. Lange wird sich der unpolitische Anstrich kaum noch aufrecht erhalten lassen. Ungeachtet des möglicherweise entscheidenden Richtungsstreits erfahren die „Hooligans“ Zulauf aus ganz Europa. Für den übernächsten Sonntag ist eine Demonstration am Kölner Hauptbahnhof geplant. Veranstalter und Polizei rechnen mit mindestens 1.000 Teilnehmern, manche spekulieren auf ein Vielfaches. Im Schatten des Doms wird sich wohl mit entscheiden, ob der Spuk bald ein Ende hat, oder „Hooligans gegen Salafisten“ zur festen Größe in der politischen Landschaft anwachsen.

 

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Ganz einfach haben es die treibenden Kräfte hinter der Bewegung freilich nicht. Es dürfte nicht viel leichter sein, ein Glas Wasser mit bloßen Händen bis nach Köln zu transportieren, als die Gruppe, die sich hinter dem Etikett des Protests gegen Salafismus scharen, beieinander zu halten. Nachdem die Gruppe schon seit Monaten im Verborgenen agiert, gab es wenige Wochen nach dem ersten öffentlichen Auftritt der jüngeren Vergangenheit in Essen bereits den ersten großen Knall. Da Fluktuation praktisch zum Organisationsprinzip der Gruppe gehört, verwunderte es kaum, dass die zwischenzeitlich eröffnete Website HoGeSa.eu, die per Impressum nach Tschechien verwies, kurz nach ihrer Eröffnung auch schon wieder geschlossen war. Die Gruppe musste ihre halböffentlichen Aktivitäten schon mehrfach verlegen, da gerade Facebook die Seiten konsequent sperrte. Derzeit firmiert man dort – wohl auch deshalb – unter dem austauschbaren Label „Gemeinsam sind wir stark“.

Hinter dem Split der Hintermänner steckte aber offenbar mehr. Wie die Gruppe via Facebook berichtet, hatte der Administrator der Website die anderen Betreiber kurzfristig gesperrt. Gleich mehrere „Konkurrenzanbieter“ und kleinere Splitter-Accounts brandmarken die Vertreter der reinen Lehre auf „Gemeinsam sind wir stark“ daher als „Trittbrettfahrer“. Nicht allein persönliche Eitelkeiten dürften dabei jedoch eine Rolle gespielt haben. Intern wurde offenbar auch die Rolle politischer Kräfte thematisiert. Während sich einige abgespaltet haben, hat sich der Kern der Gruppe auf einer konstituierenden Sitzung in Frankfurt neu organisiert. Fortan soll in den Gruppen Nord, Ost, Süd und West gearbeitet werden, mit jeweils eigenem Regionalleiter – lediglich die Stelle im Osten ist noch vakant. Ein Schalker Hooligan, der sich im Netz als „Kalle Grabowski“ ausgibt, tritt dabei als Regionalleiter West auf. Schon bei der Demo in Dortmund trat er ans Megafon und gab zuvor in Essen bereitwillig Interviews. Die wahren Strippenzieher halten sich jedoch möglicherweise im Hintergrund.

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