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National

BVB-Fans wehren sich gegen Kriminalisierung

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 14. Dezember 2015
Quelle: Jeronimo Ort

Nach dem Europa-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und PAOK Saloniki war es an der U-Bahn-Haltestelle Westentor zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und BVB-Fans gekommen. Nun nimmt das Dortmunder Fanprojekt zu den Ereignissen Stellung. 

Auf seiner Homepage hält das Fanprojekt fest, „dass ein vernünftiger Austausch zwischen Polizei und Fans die gesamte Eskalation am Donnerstagabend vermieden hätte.“ Zudem lehnen die Mitarbeiter der Einrichtung „eine Pauschalisierung junger Fußballfans als allgemein kriminell Handelnde mit Nachdruck ab.“ Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange hatte nach den Vorfällen von „kriminellen Ultras“ gesprochen.

Gedrängel in der U-Bahn

Was war an der Haltestelle passiert? Auslöser war offenbar, dass die Polizei den Zustieg von weiteren BVB-Ultras in eine U-Bahn verhindern wollte. „Die entsprechenden polizeilichen Ansagen erfolgten in einer sehr aggressiven und überheblichen Weise und die Beamten stießen die einsteigenden Fans wieder auf den Bahnsteig“, schildert das Fanprojekt die Situation. Daraufhin hätten die Ultras, die sich bereits in der U-Bahn befanden, diese wieder verlassen, wobei es laut Fanprojekt zu leichtem Gedrängel, auch mit Polizeibeamten gekommen sei.

Die Polizei hingegen spricht von Schlägen und Tritten sowie dem Einsatz von Reizgas, mit dem die Ultras die Beamten angegriffen hätten. Mitarbeiter des Fanprojekts konnten derartige Vorfälle hingegen nicht beobachten.

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Aufgeheizte Stimmung

„Im hinteren Bereich der Bahn nahmen wir aber ein stärkeres Gedrängel zwischen den Fans und den Polizeikräften wahr. Dabei sahen wir, wie Polizeibeamte vereinzelt Fans über den Bahnsteig stießen. Nun war die Stimmung gekippt“, beschreibt das Fanprojekt die Lage. In einer hektischen, lauten, aggressiven und sehr unübersichtlichen Situation hätten dann auch Teile der Fans versucht, Polizeikräfte anzugehen.

„Die Versuche richteten sich in erster Linie gegen einen Polizeibeamten, der unentwegt per Handzeichen und mit gezogenem Schlagstock die Fans aufforderte zu ihm zu kommen. Direkt hinter ihm musste ein weiterer Polizeibeamter von einem Kollegen unter massiver körperlicher Einwirkung zurückgehalten werden“, heißt es vom Fanprojekt.

„Respektloser, herablassender, bis hin zur Verachtung erscheinender Umgang“

Oberhalb der Haltestelle, auf der Kampstraße, kesselte die Polizei dann etwa 250 Fans ein. Mitarbeiter des Fanprojekts versuchten nach eigenen Angaben zwischen den Parteien zu vermitteln. Dabei sei ein Teil der Gespräche mit der Polizei von einem „respektlosen, herablassenden, bis hin zur Verachtung erscheinenden Umgang“ geprägt gewesen.

Sollte es tatsächlich zu den im Raum stehenden gewalttätigen Strafhandlungen, wie sie die Polizei beschreibt, gekommen sein, „verurteilen wir diese entschieden“, so das Fanprojekt. „Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir jegliche Form von Gewalt ablehnen.“

Dennoch betont die Einrichtung auch, „dass diese möglichen Strafhandlungen eine Reaktion auf unnötige und zu einem kleinen Teil auch nicht hinnehmbare Handlungen seitens der Polizeikräfte in der U-Bahn Haltestelle waren.“ So sei es nicht üblich, dass es nach dem Spiel überhaupt eine polizeiliche Begleitung der Fans in der U-Bahn gebe. Zudem sei vor dem Spiel einem Mitarbeiter der Einrichtung von einem Polizisten ins Gesicht geschlagen worden. Das Fanprojekt hofft nun auf eine „umfassende, aber auch differenzierte und in alle Richtungen ermittelnde Aufarbeitung der Vorkommnisse.“