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National

Buszwang bald überall?

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 24. Oktober 2014
Quelle: imago

Wir erinnern uns: Die verpflichtende Busanreise zum Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig trug nicht nur entscheidend mit zum Bruch zwischen der aktiven Fanszene von Hannover 96 und der Vereinsführung bei. Am Ende musste der Verein sogar vor Gericht eine empfindliche Schlappe einstecken müssen. Auch ein Richterspruch, der das Modell des „Buszwangs“ als rechtswidrig bewertete, hält Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius aber nicht davon ab, dafür auch noch Werbung zu betreiben.

“Zwar erfordern besondere Umstände oft besondere Maßnahmen, doch gehen die hier von der Antragsgegnerin gewählten Maßnahmen, dem Vertragspartner vorzuschreiben, wie, wann und mit welchem Fahrzeug er zu einer Veranstaltung anzureisen hat, deutlich zu weit“, hatte das Amtsgericht Hannover vermeintlich eindeutig festgestellt. Auf der Innenminister-Konferenz trommelte Pistorius nun dennoch dafür und regte an, man könne doch auch in anderen Stadien ähnliches versuchen: „Konkret haben wir in Niedersachsen ein Modell beim Bundesligaspiel von Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96 erprobt. Um eine sichere Anreise bei diesem besonderen Hochrisikospiel zu gewährleisten, wurden in hervorragender Zusammenarbeit mit den Vereinen nur an diejenigen Gästefans Karten verteilt, die über bereitgestellte Busse angereist sind. Das niedersächsische Modell hat sich bei dieser Partie in der Praxis bewährt. Es wäre sicher auch auf einige andere Spiele dieser Art übertragbar, weshalb ich es heute meinen Kollegen vorgestellt habe.“

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Darüber hinaus kam die Konferenz der Innenminister von Bund und Ländern zu der Erkenntnis, dass es beim Umgang mit Gewalttätern bei Fußballspielen einer vernetzten und länderübergreifenden Zusammenarbeit bedarf„Jeder Gewalttäter muss spüren, dass ihm die Polizei in ganz Deutschland auf den Füßen steht“, machte der IMK-Vorsitzende Ralf Jäger klar. „Wir wollen, dass erkannte Gewalttäter gar nicht erst die Reise zu einem Fußballspiel antreten dürfen. Wer sich am Spieltag zu Hause bei der Polizei melden muss, kann sich nicht im Stadion oder auf der Anreise prügeln und randalieren.“ Dies könne unter anderem durch Meldeauflagen erreicht werden. „Wichtig ist, dass bundesweit alle Polizeibehörden über die gleichen Informationen verfügen, um rechtssichere Auflagen verhängen zu können.“ Die Innenministerkonferenz erarbeitet deshalb genaue Handlungsempfehlungen für eine intensivere bundesweite Zusammenarbeit.

Verringerte Kartenkontingente bei Hochrisikospielen?

Die Minister berieten auch über verringerte Kartenkontingente für Auswärtsfans bei Hochrisikospielen und personalisierte Eintrittskarten. Dazu hat der Deutsche Fußballbund eine Arbeitsgruppe eingerichtet, an der auch der Nationale Ausschuss für Sport und Sicherheit beteiligt ist. „Allen Gewalttätern muss klar sein: Wer den Fußball missbraucht, um sich zu prügeln, Bengalos abzubrennen oder rechtsextremistische Parolen zu brüllen, sieht das Spiel nicht“, meinte der IMK-Vorsitzende.