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National

Bremer Ultragruppen fahren nach Leipzig

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 20. Oktober 2016
Quelle: imago

Am kommenden Sonntag ist der SV Werder Bremen zu Gast bei Aufsteiger RB Leipzig. Einen Boykott der Partie wird es nicht geben – zumindest nicht vonseiten der Ultragruppen Infamous Youth, Caillera, L’Intesa Verde und UltrA-Team Bremen.

In Anlehnung an das Adorno-Zitat „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ begründen die Gruppen ihre Entscheidung in einem gemeinsamen Kommuniqué mit den Worten: „Es ergibt für uns keinen Sinn, RB zu boykottieren und dabei ernsthaft davon überzeugt zu sein, das Richtige zu tun.“

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So würden die Kampagne „Nein zu RB“ und damit einhergehende Boykottaktionen der Spiele außer Acht lassen, „dass der Fußball in einer kapitalistischen Gesellschaft logischerweise auf Profitmaximierung ausgerichtet ist – und das nicht nur in Leipzig, Hoffenheim oder Ingolstadt.“ Auch große Traditionsvereine wie Eintracht Braunschweig, Borussia Dortmund und der Hamburger SV hätten durch die Einführung von Trikotwerbung, den Gang an die Börse oder den Verkauf des Stadionnamens mit Traditionen gebrochen, um neues Kapital zu beschaffen.

Dass dennoch ein „Schreckensszenario“ gemalt werde, bei dem Traditionsvereine von „Emporkömmlingen“ nach und nach in die unteren Ligen verdrängt und ihre privilegierte Stellung verlieren würden, halten die Bremer Ultras für fragwürdig: „Wir finden es falsch, uns auf sogenannte Retortenvereine oder Plastikclubs, welche nur die Spitze des Eisbergs markieren, einzuschießen“, während die Kommerzialisierung im eigenen Verein von den meisten als notwendiges Übel oder gar berechtigt gelte, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Dennoch betonen die Ultras, dass die Entscheidung nach Leipzig zu fahren, kein Aufruf sei, „alles hinzunehmen, was einem vor die Füße geschmissen wird.“ So kritisieren die Bremer etwa die fehlenden Möglichkeiten der Mitbestimmung beim Aufsteiger aus Leipzig. Als konsequente Reaktion würden sie sich indessen „eine allgemeine Kritik am Kapitalismus, nicht nur bei RB, nicht nur im Fußball, sondern überall!“ wünschen.

Die Ultragruppe Wanderers Bremen hat sich bislang übrigens nicht dazu geäußert, wie sie mit dem Spiel in Leipzig umgeht.