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BGH-Urteil: Anwalt kritisiert Doppelbestrafung

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 23. September 2016

In einem wegweisenden Urteil hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass Fußballvereine Strafen für Fanfehlverhalten künftig an die Verursacher weitergeben können. Während der DFB und die Vereine das Urteil begrüßen, sieht ein Fananwalt die Entscheidung kritisch.

Im konkreten Fall stellte der BGH eine Schadensersatzpflicht für einen Fan des 1. FC Köln fest, der bei einem Spiel mit einem Böllerwurf sieben Personen verletzt hatte und damit letzendlich für eine 50.000-Euro-Geldstrafe des DFB-Sportgerichts gegen seinen Verein gesorgt hatte. Nun muss das Oberlandesgericht Köln entscheiden, wie viel der Fan dem Klub erstatten muss. Der FC hatte 30.000 Euro gefordert.

Dass der BGH die Position des Vereins nun gestärkt hat, freut die Verantwortlichen natürlich: „Die Entscheidung des BGH schafft für uns als Club die dringend benötigte Rechtssicherheit bei der Frage, ob wir Strafen des DFB an diejenigen weitergeben können, die sie ursächlich zu verantworten haben“, sagt Thomas Schönig, Vorstandsbeauftragter für Fankultur und Sicherheit beim 1. FC Köln, auf der Vereinshomepage. „Das ist ein wichtiges Signal für die Sicherheit unserer Zuschauer, denn Störer müssen diese Regressforderungen als Folge ihres Fehlverhaltens künftig einkalkulieren.“

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Auch der DFB begrüßt das Urteil. Auf der Website des Verbands freut sich Vizepräsident Dr. Rainer Koch über eine „täterorientierte Sanktionierung“ sowie eine „abschreckende Wirkung“ des BGH-Entscheids. „Ich hoffe sehr, dass nunmehr auch der nach den Stadionordnungen generell verbotene Einsatz von Pyrotechnik zukünftig deutlich zurückgehen wird, wenn jeder Zuschauer Geldstrafen selbst zu bezahlen hat, die wegen seines die Spielstörung verursachenden Verhaltens gegen seinen Verein verhängt worden sind“, so Koch.

Doch ist die Hoffnung berechtigt? Matthias Düllberg, Fachanwalt für Strafrecht in Bochum und Betreiber des Blogs „Strafrecht am Spieltag“ ist skeptisch. „Das Problem der mangelnden Identifizierung bleibt“, so Düllberg im Gespräch mit Zeit Online. Der Anwalt vermutet, dass man „in den geschlossenen Fangruppen eher noch vorsichtiger“ bei möglichen Hinweisen auf Pyrozünder sein werde, da neben einem Stadionverbot nun auch die wirtschaftliche Existenz bedroht sei.

Zudem kritisiert der Anwalt eine Doppelbestrafung der Täter, da diese nach Überführung ohnehin durch ordentliche Gerichte bestraft würden. So musste der Kölner Böllerwerfer bereits ein Schmerzensgeld in Höhe von 4.000 Euro bezahlen. Die nun wohl hinzukommende Verbandsstrafe sei in ihrer Höhe jedoch von den Verursachern nicht einzuschätzen, da sich diese unter anderem an der Vorgeschichte des Vereins sowie dessen Wirtschaftskraft bemesse. Auch die bundesweite Fan-Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“ kritisiert das Urteil vor diesem Hintergrund und fordert einen transparenten Strafenkatalog statt des „Würfeln[s] von Strafen.

Generell sieht Düllberg den harten Kurs von DFB und Vereinen kritisch. „Ich denke, dass es vor allem verbale Abrüstung bräuchte. Es ist kein rein juristisches Problem.“