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International

Bayerns Gegner: Fern der Heimat

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 16. Februar 2015
Quelle: imago

Im Rahmen des Championsleague-Achtelfinals müssen die Bayern morgen zum Auswärtsspiel gegen den ukrainischen Spitzenklub Schachtjor Donezk antreten. Doch auch für die Fans des ukrainischen Meisters ist das Spiel fast ein echtes Auswärtsspiel, das für viele nicht zu erreichen sein wird: Schuld daran ist der Krieg.

Noch bei der Europameisterschaft 2012 war die Donbass-Arena von Donezk Austragungsort von fünf Spielen, unter anderem dem Halbfinale zwischen Portugal und Spanien. Zugleich fungierte sie als Heimatstadion des international renommierten Vorzeigeklubs der Stadt. Heute herrscht dort Krieg, das Stadion wurde bei Explosionen stark beschädigt und Schachtjor bestreitet seine Spiele im mehr als 1.200 Kilometer entfernten Lwiw.

Diese Konstellation birgt politische Brisanz: Auf der einen Seite Donezk in der Ostukraine, besetzt durch prorussische Separatisten und auf der anderen Seite das regierungstreue Lwiw im Westen des Landes. Um die Akzeptanz des Vereins dort zu steigern, wurde kräftig subventioniert: Durch den Aufbau eines Schachtjor-Fanshops sowie billige Eintrittspreise sollten die Menschen ins Stadion gelockt werden. Allein viel geholfen hat es nicht, denn nur zögerlich nehmen die Menschen in Lwiw die Mannschaft an. Einerseits gilt Schachtjor als Aushängeschild des prorussischen Ostens, andererseits eben auch als sportliches Symbol des Konflikts. Richtig beliebt ist der mehrmalige ukrainische Meister und UEFA-Pokal Sieger von 2009 hier nicht.

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Die Mannschaft, zusammengestellt vom Oligarchen Rinat Achmetov, drohte bereits im Winter auseinanderzubrechen. Mehrere Ausländer, der mit Brasilianern gespickten Mannschaft, sollen wechselwillig sein. Da grenzt es bereits an ein kleines Wunder, dass das Team mit nur einer Niederlage als Gruppenzweiter weiterkam.

Viele Schachtjor-Fans haben sich klar auf Seiten der Regierung positioniert, einige kämpfen sogar auf Seiten der Armee. Sie stehen damit im Gegensatz zu Klubbesitzer Achmetov, der sich nicht eindeutig von den Separatisten distanziert. Insgesamt bleibt den Fans die Hoffnung, dass irgendwann eine Rückkehr in die Heimat möglich ist. Im Champions-League-Spiel gegen die Bayern morgen Abend wird es Teilen von ihnen, wieder einmal, nicht möglich sein ihr Team zu unterstützen.