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National

Bayern-Blogger rechnet mit seinem Verein ab

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 17. Januar 2015
Quelle: imago/fanzeit

Weil sich sein Verein Bayern München durch seine Kooperation mit Katar moralisch fragwürdig verhalten haben soll, zieht ein prominenter Blogger nun öffentlichkeitswirksam die Reißleine und wendet sich direkt an den Vorstand des deutschen Rekordmeisters.

Der kleine Wüstenstaat ist Gastgeber der Leichtathletik-WM 2019, der Handball-WM 2015 und natürlich der Fußball-WM 2022. Bereits die Vergabe ist mit Korruptionsvorwürfen belastet, das Land steht wegen Antisemitismus und der Verfolgung von Homosexuellen in der Kritik. Nicht zuletzt gilt auch der Umgang mit ausländischen Gastarbeitern als katastrophal: Arbeiter werden wie Sklaven gehalten, auf den Baustellen der Stadien und Wolkenkratzer stirbt laut Guardian jeden zweiten Tag ein Mensch. Fußballweltverband FIFA hält an der Vergabe jedoch fest.

Auch der FCB aus München arbeitet seit 2010 mit dem Emirat zusammen, in der Winterpause schlägt man – unterstützt von der DFL – sein Trainingslager am Persischen Golf auf. Für den „Baron von Agitpop“ ist das nicht vertretbar. Der Blogger kritisiert die Kooperation mit Katar und Saudi-Arabien deutlich, beschwert sich über die Relativierungsversuche von Karl-Heinz Rummenigge, die Verstrickung von Coach Guardiola als offizieller „Markenbotschafter“ des Landes. Er vermisst auch die Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft seines Klubs. Eines Vereins, der bei Facebook mehr als 10 Mal so viele Likes hat wie Katar Einwohner.

Das heutige Testspiel der Bajuwaren im saudi-arabischen Riad gegen Al-Hilal (4:1 für München) markierte für das unzufriedene Mitglied nun den Höhepunkt. Am selben Tag, an dem der arabische Blogger Raif Badawi weitere 50 seiner 1.000 (!) Peitschenhiebe erhalten sollte. Weil er sich im Internet religionskritisch geäußert hat.

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„Auch wenn der FC Bayern nicht die Politik Saudi-Arabiens bestimmt, so legitimiert er sie mit seiner Anwesenheit doch zumindest.“ heißt es im Offenen Brief, den der Twitter-User an den Klubvorstand geschickt hat. Er wünscht sich eine Reaktion von Seiten der Münchener, einen Kommentar zu den moralischen Verpflichtungen des Klubs. Seine letzte Option: Der Austritt aus dem Verein, dessen Farben ihm so am Herzen liegen, dessen Entscheidungen jedoch nicht mit seinem Gewissen zu vereinbaren sind.

 

moG