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National

Bayer-Ultras kritisieren Umgang mit Fans

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 09. April 2015
Quelle: imago

Vor dem gestrigen Pokalspiel in der BayArena hatten die Fans von Bayer 04 Leverkusen eine Choreo in der Nordkurve geplant. Doch aufgrund des Verhaltens von Bayer Leverkusen gegenüber den Fans wurde diese abgesagt.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung äußern die Ultras Leverkusen ihren Unmut über das Verhalten ihres Vereins gegenüber den eigenen Fans. Nach eigener Aussage waren die Fans der Werkself dazu bereit, ihre Freizeit wochenlang mit der Gestaltung und Vorbereitung eines Kurvenbildes zu verbringen. Letztendlich scheiterte die geplante Choreo am Verhalten von Bayer 04 Leverkusen gegenüber den Fans: „Nachdem jedoch der Verein, vor allem in Person von Michael Schade, in den letzten Wochen wirklich keine Gelegenheit ausgelassen hat, um uns als Gruppe und der aktiven Fanszene im Allgemeinen ans Bein zu pinkeln und den aktiven Fans immer und immer wieder durch kleine und größere Störfeuer das (Fan)leben schwer gemacht hat, haben wir nach internen Diskussionen aufgrund der aktuellen Lage gegen die Umsetzung entschieden.“ Die Bayer Anhänger möchten nicht auf der einen Seite das „tolle Aushängeschild des Vereins“ mimen, um bei der nächsten Gelegenheit „von genau diesen Leuten wieder eine fiese, kleine Attacke verpasst zu bekommen.“

Kritik am „Fan der Fans“

Für die Fans, die sich selten als Gruppe über Stellungnahmen im Internet äußern, wurde an dieser Stelle eine „deutliche Grenze“ überschritten. Besonders das Verhalten vom Sprecher der Geschäftsführung, Michael Schade, verärgert die Bayer-Fans. Der selbsternannte „Fan der Fans“ benutze diese Formulierung bei jeder Gelegenheit, um der Öffentlichkeit unermüdlichen Einsatz und eine enge Zusammenarbeit mit der aktiven Fanszene und für die Fankultur zu suggerieren. Anstatt Gesprächsangebote aktiver Fanclubs anzunehmen, würde sich Schade immer nur für die Modernisierungen von Toiletten und Kiosken feiern lassen. Da diese aus Sicht der Fans hauptsächlich die Einnahmen des Vereins steigern, wird Schade als „Fan der Konsumenten“ bezeichnet. „Ein ehrliches Honorieren von guter Arbeit von Fanprojekt oder Fanbetreuung fehlt ebenso, wie die Anerkennung der gut funktionierenden aktiven Fanszene. Auch mal denen zuzuhören, die Ahnung von der Materie haben, würde sicherlich nicht schaden.“

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Mangelnde Unterstützung für Fans

Die Ultras bemängeln auch die „mangelnde Unterstützung während und nach den unsäglichen Schikanen“ rund um das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League in Paris. 800 Bayer-Fans wurden vergangenes Jahr stundenlang an einem Parkplatz festgehalten, den sie nicht verlassen durften. Schade habe bei diesen Vorfällen sein wahres Gesicht gezeigt. Auch der „unverhältnismäßige Rundumschlag nach der Pyroaktion in Augsburg“ sei aus Sicht der Fans an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.

Gleichzeitig betonen die Verfasser der Mitteilung, dass nie Vereinbarungen durch Fans gebrochen wurden. Ein Versprechen seitens der Fans, dass „keine Stadionverbotler im Sambazug nach Augsburg mitfahren werden“, habe es nie gegeben. Vielmehr habe man Herrn Schade beim Wort genommen, „dass lediglich diejenigen SV´ler nicht im besagten Zug anwesend sein dürfen, die durch die neu gegründete Stadionverbotskommission ausgeschlossen wurden.“ Trotzdem erfolgte eine von Bayer 04 initiierte polizeiliche Anzeige, obwohl sich jeder einzelne Stadionverbotler einwandfrei verhalten habe.

Streit um „Fanbudget“

Auch der Umgang mit dem „Fanbudget“, das als Druckmittel eingesetzt wird, verärgert die Ultras. Aus ihrer Sicht dient „dieses Fanbudget lediglich dazu, um – sofern die Zahlen nicht stimmen sollten – ein paar Tausend Euro in ein anderes Budget zu schieben“. Ein Fanbudget in dem Sinne gäbe es nicht. Bislang habe man mehrfach darum gebeten, Einblick in die Einnahmen und Ausgaben zu erhalten, sei aber bislang immer vertröstet worden. Daher fordern die Ultras „Transparenz und keine Phrasen, die immer wieder hervorgeholt werden, wenn der Verein mal wieder eine Strafe bezahlen muss.“

Die Bayer-Anhänger erwarten, dass sie zukünftig nicht mehr von oben herab behandelt werden, sondern mit dem gleichen Respekt, den sie ihren Gesprächspartnern entgegenbringen. Sollte dies nicht gelingen, würde den Fans zumindest die Erkenntnis bleiben, „WIR sind auch in Jahren noch da, andere nicht…“