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National

Babelsberg-Vorstand mit offenem Brief an Grindel

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 26. September 2017

Weil die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den Verein Babelsberg 03 mehrfach abgeschmettert wurde, richtet sich der Vorstandsvorsitzende Archibald Horlitz in einem offenen Brief an den DFB-Präsidenten.

Babelsberg 03 wurde für die Vergehen seiner Fans im Spiel gegen Energie Cottbus bestraft. Doch während der NOFV im Urteil die „Nazischweine raus“-Rufe der Babelsberger höchst detailliert beschreibt, fehlt dort jegliche Erwähnung einiger Cottbusser Vergehen. So riefen der Gästeblock vermehrt „Arbeit macht frei – Babelsberg 03“ und vereinzelte Anhänger zeigten „Hitlergrüße“.

Horlitz prangert die Weigerung von NOFV und DFB das Urteil zu revidieren an und erklärt notfalls vor ein ordentliches Gericht zu ziehen. Er pocht außerdem auf die Vorbildfunktion des DFB und hofft das Grindel seine gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnimmt. Nachfolgend der offene Brief in voller Länge:

Sehr geehrter Herr Grindel,

ich wende mich in Form eines offenen Briefs sowohl an Sie als Präsident, als auch an den DFB als den obersten Verband des deutschen Fußballs.

Es geht um das erstinstanzliche „Skandalurteil“ des NOFV gegen unseren Verein SV Babelsberg 03.  Hier wurde von der Sportsgerichtsbarkeit des NOFV ein Urteil gefällt, das sämtlichen Prinzipien des DFB widerspricht. Der DFB propagiert eine eindeutige Haltung zum Thema Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Diskriminierung. Diese sind auch für die Landesverbände bindend.

Unter offensichtlicher Ausblendung des strafrechtlich relevanten Verhaltens von Cottbusser Fans, wie mehrfaches Zeigen des „Hitlergrußes’“ und Schmähgesängen, wie „Arbeit macht frei, Babelsberg 03“ wurde in der Urteilsbegründung, wie folgt ausgeführt: Etwa ab der 15. Spielminute rief eine Person mit rotem Punkerhaarschnitt aus dem Babelsberger Fanblock in Richtung des Cottbusser Fanblockes: „Nazischweine raus“.

Diese Reaktion auf das massive Auftreten jener Cottbusser Anhänger in die Urteilsbegründung zu nehmen, ohne hingegen mit einem Wort die zuvor erfolgten Provokationen zu erwähnen, ist für uns nicht hinnehmbar.

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Die weiteren Vorfälle, wie der Platzsturm durch Cottbus-Anhänger, Einsatz von Pyro, auch auf Seiten der Babelsberger Fans, werden von uns als Teil des Urteils anerkannt und nicht bestritten.

Wir haben Einspruch gegen dieses Urteil eingelegt. Bis heute wird uns unter fadenscheinigen, formalen Gesichtspunkten die Revision vor der nächsten Instanz verweigert. Ich will hier bewusst keine juristische Diskussion über die Ablehnungsgründe führen. Dies können Sie, sehr geehrter Herr Grindel, als Jurist sicher besser beurteilen. Es geht uns hier um die gesellschaftspolitische Verantwortung des größten deutschen Sportvereins mit sieben Millionen Mitgliedern.

Wenn sich Ligakonkurrenten, wie die BSG Chemie Leipzig, der Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, der Parteichef der Linken, das Jüdische Forum, der FC St. Pauli und viele mehr offen auf unsere Seite stellen und wenn unser Aufruf auf Facebook binnen zwei Tagen mehr als 200.000 Aufrufe verzeichnet, dann sollte die Dimension der involvierten Öffentlichkeit und deren klare Sicht mehr als deutlich sein.

Und hier stellt sich nun die Frage, ob diese Angelegenheit innerhalb des Sportverbands geklärt werden kann, was wir bevorzugen würden, oder ob dies vor einem ordentlichen Gericht erfolgen muss. Das Präsidium des NOFV hatte diese Woche die Chance, durch eine Eingabe von uns hier tätig zu werden und für eine transparente Aufarbeitung zu sorgen. Auf der Tagung am 21.9. wurde unser Fall besprochen. Ein Ergebnis kennen wir aktuell leider noch nicht, da uns die Stellungnahme erst im Lauf der nächsten Woche zugeleitet werden soll. Aber es ist bereits bekannt geworden, dass sich hier nichts bewegen wird und uns weiterhin verweigert werden soll, in einer Revision bzw. Wiederaufnahme dieses „Skandalurteil“ zu korrigieren.

Daher bitte ich Sie hier um Unterstützung und würde mich freuen, kurzfristig von Ihnen zu hören.

Sehr geehrter Herr Grindel, ich wende mich ganz bewusst an Sie, da ich in unserem Fall auch den DFB in der Verantwortung sehe, für seine propagierten Werte einzustehen und all jene zu unterstützen, die diese Werte und  Haltungen in Fußballstadien verteidigen. Gern stehe ich für Rückfragen und ein klärendes Gespräch zur Verfügung.

 

Mit sportlichen Grüßen

Archibald Horlitz

Vorstandsvorsitzender SV Babelsberg 03