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National

Aufenthaltsverbot für Eintracht-Fans sorgt für Empörung

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 28. April 2016
Quelle: imago

Das von der Stadt Darmstadt und der örtlichen Polizei für Fans von Eintracht Frankfurt ausgesprochene dreitägige Betretungsverbot für die Darmstädter Innenstadt sorgt für massive Empörung. Während Eintracht Frankfurt und einige Politiker die Maßnahme kritisierten, will der Fanclubverband des Vereins gegen die Allgemeinverfügung vor Gericht ziehen. 

„Das ist ein Grundrechtseingriff. Die Verfügung ist unverhältnismäßig“, wird Waltraut Verleih, die Anwältin des Verbandes, auf hessenschau.de zitiert. Der Fanclubvernand will nun gegen die Allgemeinverfügung klagen.

Auch der Verein ist mit dem Aufenthaltsverbot für seine Fans nicht einverstanden. Vor allem dass die Eintracht in der Entscheidungsfindung nicht mit einbezogen wurde, verärgert die Verantwortlichen. „Gerade Politik und Sicherheitsträger fordern regelmäßig von den Vereinen und Verbänden die Notwendigkeit des konstruktiven und steten Dialogs ein und nehmen Vereine und Verbände bezüglich der Sicherheitskonzepte in die Verantwortung. Eine derartige Maßnahme zu treffen, durch die Eintracht Frankfurt schon allein durch die Außenwirkung unmittelbar betroffen ist, ohne uns im Vorfeld miteinzubinden oder auch nur ein Meinungsbild abzufragen, ist mit diesen Forderungen unvereinbar“, so Vorstandsmitglied Axel Hellmann.

Kritik von Verein und Fanverbänden

Auch inhaltlich kritisiert Hellmann die Allgemeinverfügung: „Diese Maßnahme ist im Kern nicht geeignet, eine Unterscheidung zwischen gewaltbereiten und allen anderen Fans von Eintracht Frankfurt zu treffen. Sie richtet sich damit in unverhältnismäßiger Art und Weise gegen die bloße Gesinnung, mit Eintracht Frankfurt zu sympathisieren, und dies kann nach unserer Auffassung nicht Gegenstand staatlichen Handelns sein.“

Das Bündnis ProFans kritisiert die Maßnahme von Stadt und Polizei ebenfalls „aufs Schärfste“ und fordert die sofortige Aufhebung der Allgemeinverfügung. „Wir haben den Eindruck, dass die Einschränkung von Bewegungsfreiheit den Behörden zunehmend als das probateste Mittel erscheint, um in ihren Augen für Ruhe und Ordnung zu sorgen“, bemerkt ProFans-Sprecherin Gabriele Mateika und verweist in dem Zusammenhang auf die zuletzt immer häufigeren Fälle, „bei denen Gruppen von Fans wegen in die Länge gezogener Kontrollen deutlich später ins Stadion gelangten oder mit fadenscheinigen Begründungen zurückgeschickt wurden und das Spiel vor Ort nicht sehen konnten.“

„Völlig überzogene, beinahe hysterische Reaktion der Stadt Darmstadt“

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Verbandsinterne Dialogangebote an die Fans oder von Politikern ausgerufene „Fußballgipfel“ wirkten vor diesem Hintergrund auf das Bündnis wie „pure Heuchelei“. So fragt ProFans-Sprecher Nicolai Mäurer: „Aus welchem Grund sollten wir uns wieder mit den Verbänden oder gar den Behörden an einen Tisch setzen, wenn den Verantwortlichen nichts Besseres einfällt, als sich hinter der Ausrede von den Sachzwängen zu verschanzen und sie uns an jedem Spieltag mit neuen Repressionen in den Rücken fallen und versuchen, die Fans gegeneinander aufzuhetzen?“

Kritik an der Sperrzone gibt es auch aus den Reihen der Politik. So twitterte Frederic Schneider, Kreisvorsitzender der Jungen Union Main-Taunus:

Der Parlamentarische Geschäftsführer und sportpolitische Sprecher der Linken, Hermann Schaus, sagte im Landtag: „Die völlig überzogene, beinahe hysterische Reaktion der Stadt Darmstadt, allen Anhängern von Eintracht Frankfurt ein allgemeines, fast 36 Stunden andauerndes Aufenthaltsverbot in Darmstadt zu verhängen, ist weder deeskalierend noch verhältnismäßig.“ Auch die SPD hält das Verbot für „schwierig“ und stellt die Frage, „ob eine solche Maßnahme dazu beitragen kann, die Brisanz aus diesem Spiel zu nehmen oder ob sie die Stimmung eher anfacht.“

Auseinandersetzungen in Darmstadt

Für letzteres spricht, dass es bereits am Dienstagabend einige Stunden nach Bekanntwerden der Maßnahme zu Auseinandersetzungen zwischen Frankfurt- und Darmstadt-Fans in der Darmstädter Innenstadt kam. Laut Polizeiangaben verfolgten etwa 70 bis 90 Eintracht-Fans das Champions-League-Spiel zwischen Manchester City und Real Madrid in einem Lokal der Darmstädter Fanszene. Nach der Partie soll es dann in der Innenstadt zu Auseinandersetzungen mit eintreffenden Lilien-Fans gekommen sein. Von Verletzten ist bisher nichts bekannt. Die Polizei nahm sieben Personen fest, die sie „zweifelsfrei“ der Frankfurter Ultra-Szene zuordnet.

Am Dienstag hatten die Stadt Darmstadt sowie die örtliche Polizei bekanntgegeben, dass durch eine Allgemeinverfügung allen Fans von Eintracht Frankfurt vom 29. April, 19 Uhr bis zum 1. Mai, 7 Uhr der Aufenthalt in Darmstadt untersagt ist. Ohnehin gilt durch ein DFB-Urteil nach den Vorkommnissen im Hinspiel ein Gästefanverbot im Stadion am Böllenfalltor.