Anzeige

National

Aufbruch oder Ausverkauf? HSV-Mitglieder stehen vor Gewissensfrage

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 23. Mai 2014
Quelle: imago

Es rumort an der Basis des Hamburger Sportvereins. Nun ist Unruhe beim HSV, zumal in den letzten Monaten, nicht weiter ungewöhnlich. Doch nachdem die Hamburger gerade noch die Kurve gekratzt und sich sportlich für den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse qualifiziert haben, geht es für den Verein nun daran, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Auf der anstehenden Mitgliederversammlung will der Verein über die Ausgliederung seiner Profiabteilung abstimmen lassen. Doch so einfach ist das nicht…

Prominente Köpfe wie Ex-HSV-Profi Thomas von Heesen machen sich unter dem Vorsitz von Ex-Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckhoff stark für das Reformpaket HSV Plus. Die Reformer versprechen im Grunde, was viele fordern: Neues Personal auf der Kommandobrücke (Dietmar Beiersdorfer wird als neuer starker Mann gehandelt) und Professionalisierung, vor allem aber frisches Geld, das möglichst rasch die Teilnahme am internationalen Wettbewerb ermöglichen soll. Mit solchen Plänen sollte es ein Leichtes sein, die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit zu überzeugen. Doch das Modell birgt Tücken, die Kritiker aus allen Lagern auf den Plan rufen.

Was will HSV Plus?

Anzeige

Angesichts des Datums könnte man meinen, man habe sich in der Disziplin geirrt, so oft ist von dem 25. Mai und Europa die Rede. Doch während sich die Parteien noch einen lahmen Richtungsstreit über die Zukunft der EU simulieren, dürfte das Votum der HSV-Mitglieder unzweideutig ausfallen. Kein HSV-Mitglied wird sich dem internationalen Wettbewerb verwehren. Doch längst nicht alle sind bereit, dafür jeden Preis zu zahlen.

Die Strategie ist relativ einfach: Würde der Hamburger SV seine Profabteilung ausgliedern und wie geplant in eine AG umwandeln, könnten Investoren Anteile daran kaufen. Das funktioniert etwa beim FC Bayern München ganz ausgezeichnet. Dennoch haben Investoren es an sich, ihr Geld irgendwann zurückbekommen zu wollen – nach Möglichkeit vervielfacht. Die Initiative versucht Kritikern natürlich von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Nix Scheich. Nix Oligarch. Was sollen solche populistischen Unterstellungen?“, fragt die Gruppe auf ihrer Website flapsig. Und überhaupt: Behauptungen, der HSV verkaufe oder verschachere sich gar, seien „bösartig“. Der Einflussnahme fremder Geldgeber sei allein durch die 50+1-Regel vorgebeut. Ferner will HSV Plus ohnehin maximal 24,9 Prozent der Anteile veräußern, zudem lediglich an „strategische Partner.“ Als Wahlversprechen soll Investor Klaus-Michael Kühne, der den HSV schon mehrfach finanziell unter die Arme gegriffen hat, gleich mal Anteile für 10 Millionen Euro kaufen. Mit Zustimmung der Mitglieder könnten jedoch bis zu 49,9 Prozent der AG an fremde Investoren verkauft werden.

Wer sind die Gegner des Modells?

In einer ersten Abstimmung Anfang des Jahres standen ursprünglich fünf Modelle zur Wahl. Unter anderem hätte der HSV so in eine Stiftung übergehen können oder die Abteilung Profifußball gar nicht erst aus dem Gesamtverein ausgegliedert werden. Die Mehrheit votierte allerdings für eine Ausgliederung. Nun stellt sich nurmehr die Frage, wie genau diese vonstatten gehen soll. Die meisten Unterstützer, die bei der Abstimmung im Januar andere Optionen favorisiert haben, opponieren nun gemeinsam. Rainer Ferslev, Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Insolvenzrecht, der sich bei der HSV-Allianz engagiert, sieht die größte Gefahr darin, dass die zu gründende AG sich laut einer Klausel erneut ausgliedern könnte. Die Befürchtung vieler Mitglieder wäre spätestens dann Realität: Die Basis würde jedes Mitspracherecht verlieren.  „So wie die Ausgliederung jetzt geplant ist, ist das eine Einladung an Renditejäger“, warnte Ferslev zuletzt in einem Interview mit der taz.

Auf Seite 2: Wem gehört die Raute? Der Streit eskaliert: Bedrohungen auf offener Straße