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Auch Union Berlin erteilt der Bild-Zeitung eine Abfuhr

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 17. September 2015
Quelle: imago

Kai Diekmann gefällt das nicht. Bei vielen Fans hat der FC St. Pauli aber gerade deshalb schwer gepunktet. Die Hamburger hatten zunächst vertraulich erklärt, dass sie an der Bild-Solidaritäts-Aktion „Wir helfen“ nicht teilnehmen werden. Chefredakteur Diekmann machte die Sache öffentlich und pushte damit indirekt den Hashtag #Bildnotwelcome in die Twitter-Trends.

Viele Fans wünschen sich von ihren Vereinen seither, es dem FC St. Pauli gleichzutun und die Hilfsaktion des Boulevardblatts zu boykottieren. Als erster Klub hat sich nun der FC Union Berlin der Entscheidung des FC St. Pauli angeschlossen. Mit einem schmalen Satz erklärt Union: „An der für den kommenden Bundesligaspieltag geplanten Aktion einer Boulevardzeitung wird der 1.FC Union Berlin nicht teilnehmen.“

 

Vorher erklären die Berliner jedoch, dass sie die Pläne für ein Fanhaus einstweilen auf Eis legen. Die ursprünglich für diesen Zweck erworbene 1.200-qm-Immobilie will der Verein gerade in Anbetracht der nahenden kalten Jahreszeit als Unterkunft für geflüchtete Menschen zur Verfügung stellen. „Berlin ist darauf angewiesen, alle Reserven zu erschließen, um das Unterbringungsproblem zu lösen. Wir haben die Möglichkeit, dazu einen Beitrag zu leisten, indem wir selber verzichten. Natürlich hätten wir unser Fanhaus sehr gerne anlässlich unseres 50. Vereinsgeburtstag im Januar eröffnet, aber wenn wir akute Not lindern können, dann tun wir das selbstverständlich“, erläutert Fanhaus-Leiter Sven Mühle die Zwischennutzung des künftigen Fanhauses.  


„Wir können Flüchtlingsströme nicht beeinflussen oder die internationale Politik verändern und als Fußballverein ist es auch nicht unsere Aufgabe, aber wir sind humanistischen Grundwerten verpflichtet und können hier in unserer Stadt, in unserem Umfeld denjenigen helfen, die unsere Hilfe brauchen. Wenn durch die Bereitstellung unserer Flächen nur eine Sporthalle in Berlin weniger umgewidmet werden muss, ist allen geholfen“, erklärt Union-Präsident Dirk Zingler.

Nicht unwahrscheinlich, dass noch weitere Vereine dem Beispiel der Zweitligisten folgen. Fans von Fortuna Düsseldorf, Schalke 04, dem Hamburger SV und dem 1. FC Nürnberg haben bereits öffentlich an ihre Klubs appelliert, sich nicht an der Aktion zu beteiligen.