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National

Angekommen in der Realität

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 21. Oktober 2014
Quelle: imago

Geht es nach den Verantwortlichen bei RB Leipzig, soll das Dasein als RB-Fan ein unbeschwertes und sorgenfreies sein. Ansehnlicher Fußball, sportlicher Erfolg und eine familienfreundliche Stadionatmosphäre sorgten in der bisherigen Saison immerhin für einen Schnitt von über 23.500 Zuschauern pro Heimspiel. Doch nach den Vorfällen beim letzten Auswärtsspiel in Nürnberg, sehen sich die Leipziger Fans plötzlich mit ganz realen Problemen konfrontiert, die für andere Fanszenen wohl längst zum Alltag gehören.

Auf der Seite RB-Fans.de beschreibt Forenuser „tommesfox“, Mitglied der Gruppe „LECRATS“, seine Erlebnisse beim Auswärtsspiel in Nürnberg. Dabei kritisiert er insbesondere den Ordnungsdienst der Gastgeber. Aber auch Fans des eigenen Vereins bekommen ihr Fett weg.

So sollen die Ordner einige Fans trotz gültiger Eintrittskarte den Zugang zum Block 25 A verwehrt haben. Dies habe sich negativ auf den Support ausgewirkt: „Wir wollen Stimmung, wir wollen supporten und wenn man dann in einem Block steht, in dem gerade mal zehn Leute mitmachen, und ein paar Hanseln denken, die müssen sich gegen die Capos stellen und immer eigene Lieder anstimmen, dann hört bei uns das Verständnis auf“, beklagt tommesfox in seinem Bericht.

Darüber hinaus seien die Ordner Schuld am Verschwinden eines Banners der Gruppe: „Wir mussten ihn abgeben, weil die Sicherheitsleute selbst die Banner aufgehangen haben. Es wurde gesagt, dass der Banner nach dem Spiel wieder abgeholt werden kann, was leider anders ablief, so dass der LECRATS-Banner spurlos verschwunden ist, weil er nach Spielende einfach in den Block geworfen wurde.“

Auch Provokationen durch Nürnberger Balljungen und Bierbecher-Würfe von Nürnberg-Fans in den Gästeblock kritisiert tommesfox in seinem Bericht.

Nachfolgend der Bericht im Wortlaut:

Wir kamen mit unseren Autos und Kleinbussen in Nürnberg an, wo wir alle zentral gesammelt und auf den Parkplatz geleitet wurden. Der Fußmarsch ist viel zu spät, kurz nach 20 Uhr, gestartet (wurde von der Polizei begleitet; Strecke circa 500 bis 1.000 Meter). So sind wir ziemlich gestresst erst gegen 20.15 Uhr am Stadion angekommen.

Dort erwarteten uns (zwei)!!! offene Tore sowie drei Ordner für Männer und einer für Frauen, die teilweise überfordert wirkten. Endlich drin, gab es Probleme mit unserem Banner. Wir mussten ihn abgeben, weil die Sicherheitsleute selbst die Banner aufgehangen haben. Es wurde gesagt, dass der Banner nach dem Spiel wieder abgeholt werden kann, was leider anders ablief, so dass der LECRATS-Banner spurlos verschwunden ist, weil er nach Spielende einfach in den Block geworfen wurde.

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Endlich am Block 25 A angekommen, wurde uns mitgeteilt, dass der Block voll ist, warum auch immer, wenn man für diesen Block extra eine Karte kauft. Es wurde nicht schnell reagiert, am Anfang war ein Ausweichen auf Block B nicht möglich, weil wir dort nicht reingelassen worden sind. Die Ordner waren unfreundlich, teilten uns mit, wir müssten einfach eher kommen. Nachdem wir schon fünf Minuten vom Spiel verpasst hatten, wurde Block B endlich geöffnet und Supporterleute standen mit Sitzplatzzahlern in einem Block. Totaler Stimmungskiller und absolut unverständlich.

Einige Leute sind dann über die Absperrung gestiegen, um bei Ihren Leuten zu stehen. Man hatte ja nicht mal in der Halbzeitpause die Möglichkeit zu wechseln, da man nur mit einer Karte wieder reingekommen ist, die man beim Verlassen des Blocks bekommen hat. Beim Beobachten des Supports im Block 25 A war uns auch klar, dass teilweise Leute drin stehen, die bestimmt eine Karte für B hatten, denn die haben weder ihren Mund aufbekommen noch mal ansatzweise ihre Arme bewegt.

Wir wollen Stimmung, wir wollen supporten und wenn man dann in einem Block steht, in dem gerade mal zehn Leute mitmachen, und ein paar Hanseln denken, die müssen sich gegen die Capos stellen und immer eigene Lieder anstimmen, dann hört bei uns das Verständnis auf.

Leider sind wir noch ein zwiegespaltener Fanblock, in dem noch kein Zusammenhalt spürbar ist. Wenn RB-Fans (die kaum ihren Mund beim Supporten aufbekommen) die eigenen Fans aussingen können mit „Ihr seid so lächerlich“ und denken, sie müssen nach Spielende in Block A rüber gehen, um dort ein Handgemenge Richtung unserer Capos/Trommler zu verursachen, mit den Worten „Wir wollen euch hier nicht, so was gab’s in der Regionalliga auch nicht“ oder „Ihr tragt nur schwarz, das gehört hier nicht her“, dann ist das genauso wenig nachvollziehbar wie der Aufstand wegen des verbrannten Clubschals von Nürnberg.

Es muss nicht jeder jeden mögen oder jeder damit einverstanden sein, was der andere macht, aber bitte dann geht euch aus dem Weg… Wir sind aus einem einzigen Grund zusammen: dem Support für unsere Mannschaft. Nur leider haben das viele Leute noch nicht verstanden. Demnach war die Stimmung auch ziemlich mau diesmal.

Bei der Organisation war im Großen und Ganzen auch viel Provokation dabei. Warum stehen Nürnberger Fans direkt über uns? Sodass sie die Möglichkeit haben uns zu bespucken oder mit Bechern zu bewerfen? Wieso können sich Nürnberger Balljungs (die noch grün hinter den Ohren sind) rausnehmen uns zu provozieren? Sie sollen feiern, wenn ein Tor fällt, aber uns auch genug Respekt entgegenbringen und nicht noch gezielt den Block aufheizen. Andere Fans hätten das Ding nach der Provokation gestürmt…

Fazit der LECRATS-Auswärtsfahrt: voller Vorfreude gestartet, gute Laune während der Anfahrt, gedämpfte Laune bei der Ankunft, die ersten fünf Minuten verpasst, schlechte Stimmung, Supporter voneinander getrennt, Niederlage, Banner weg, scheiß Laune bei der Heimfahrt.

tommesfox

fn