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Hintergründe

Alle Mann von Bord: Steig doch endlich ab, HSV!

Autor: Mirko Lorenz Veröffentlicht: 19. Mai 2015
Quelle: imago

Der HSV ist seit Jahren eine der effektivsten Geldverbrennungs-anlagen der Bundesliga. Dieses Jahr könnten sich die Anstrengungen zumindest endlich bezahlt machen und der HSV es schaffen, sich nach 51 Jahren erstmals für die zweite Liga zu qualifizieren. Ein Kommentar.

Beunruhigend ist neben dem sportlichen Abstieg der wahrscheinlich teuersten HSV-Mannschaft aller Zeiten vor allem, wie der Verein sich seinen Fans gegenüber verhält. Kürzlich hat der Bundesliga-Dino in Zusammenarbeit mit der Telekom eine Kampagne gestartet, die Fans dazu auffordert, Motivationsvideos einzuschicken. Das beste Video wird dann vor dem Spiel in der Kabine gezeigt. Der HSV scheint auf dem besten Weg zu einem klatschpappigen Plastikklub zu sein.

Was solche Maßnahmen bringen, zeigt die emotionslose Choreo vor Anpfiff des Spiels gegen Augsburg recht deutlich. Weil sich die aktive Fanszene nach und nach zurückzieht, wirkt der Klub seltsam leblos. Schon lange hängen nicht mehr alle Zaunfahnen der Hamburger Supporter- und Ultra-Gruppen im Stadion. Was aber nicht mit den katastrophalen sportlichen Leistungen zu tun hat, das Binnenverhältnis zwischen dem HSV und großen Teilen seiner Fans ist nachhaltig zerrüttet.

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Das Unheil nahm seinen Lauf nach einem umstrittenen Polizeieinsatz im Hamburger Fanblock. Beamte stürmten den Block und setzten Pfefferspray im großen Stil ein, um ein polizeifeindliches Banner zu entfernen. Viele Unbeteiligte mussten sich hinterher ärztlich behandeln lassen. Die offizielle Stellungnahme des HSV warf für viele Fans mehr Fragen auf als sie beantwortete. Auf Solidarität ihres Vereins oder eine Entschuldigung warten die Fans bis heute. Gefühlt das einzige, was vereinsseitig für die HSV-Fans unternommen wird, ist das alljährliche Grillfest, nach der obligatorisch hohen Niederlage in München.

Letztes Jahr hat der HSV außerdem seine Profifußballabteilung aus dem Verein ausgegliedert, um sich finanziell bessere Möglichkeiten zu verschaffen. Gebracht hat es bis heute nichts. Beim HSV wird weiterhin so viel Geld verbrannt wie an der Elbphilharmonie und sportlich steht der HSV genauso schlecht da wie letzte Saison. Nur dass man nicht mal halb so viele Tore geschossen hat.

Aus Enttäuschung über das Verhalten des Vereins und die Ausgliederung gründeten einige Fans im letzten Jahr den HFC Falke, einen Fanverein der eben von seinen Mitgliedern geprägt werden soll. Dieser Weg zeigt, dass Unterstützung eben nicht käuflich ist. Wenn man Fans wie Kunden behandelt wandern sie irgendwann ab, das musste man auch in Hannover einsehen.

Bitte, lieber HSV, versuch Dich nicht noch an weiteren lächerlichen Aktionen, sondern bewahr Dir Dein letztes Stück Würde und steig einfach ab. Damit das Bundesliga-Gründungsmitglied eine Möglichkeit bekommt, sich seinen Anhänger in der zweiten Liga wieder etwas anzunähern. Keine Angst, wahre Fans bleiben einem Verein auch bei Abstiegen treu. Wenn man sie wie Kunden behandelt allerdings nicht, egal ob man dann zweitklassig oder Champions League spielt.