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National

Aktive Fanszene Ingolstadt sagt „Nein“ zu RB Leipzig

Autor: Robin Schwitzer Veröffentlicht: 08. Oktober 2014
Quelle: imago

Auch die aktive Fanszene aus Ingolstadt beteiligt sich an der Kampagne „Nein-zu-RB!“ und wird das Auswärtsspiel am 7. Dezember in Leipzig boykottieren. Die Mannschaft wurde über den Boykott informiert. Als Alternative soll das Spiel in Ingolstadt verfolgt werden.

In einer Mitteilung setzt sich die Fanszene Ingolstadt auch kritisch mit dem eigenen Verein auseinander. Der Konzern Audi, Sponsor des FCI sei allerdings im Vergleich zu Red Bull ein starker lokaler Partner. Des Weiteren setzte sich die Ingolstädter Fanszene stark für die Wahrung der Mitgliederrechte ein, was bei RB Leipzig nicht der Fall sei.

Die Beteiligung an der Kampagne „Nein-zu-RB!“ seitens der Ingolstädter wurde von anderen Fanszenen kritisiert, die aus diesem Grund nicht an der Kampagne teilnehmen.

Die komplette Mitteilung der Fanszene Ingolstadt im Wortlaut:

Fanszene Ingolstadt sagt „Nein zu RB!“ – Boykott des Auswärtsspiels in Leipzig

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Der Aufstieg des „Vereins“ RB Leipzig in den deutschen Profifußball sorgt seit dem Sommer für durchgehende Diskussionen in Fußballdeutschland. Als Zeichen des Protests wurde die Initiative „Nein zu RB“ von verschiedenen Fanszenen der 2. Liga gegründet, an der sich mittlerweile auch viele Szenen anderer Ligen beteiligen. Auch die Fanszene des FC Ingolstadt sieht sich als Teil des Protests gegen das Red Bull Konstrukt, wenngleich unser Verein häufig als erstes Beispiel für „ähnliche Kommerzvereine“ genannt wird. Wie bereits an anderer Stelle dargelegt, geht es uns nicht darum uns als DER Traditionsverein schlechthin zu präsentieren, jedoch ist es für uns wichtig, eine Abgrenzung zwischen dem Fußballclub aus Ingolstadt und RB Leipzig zu schaffen.

Der FC Ingolstadt vereint die lange Vergangenheit der Ingolstädter Vereine MTV und ESV und versucht sich und die Stadt Ingolstadt nach langer Zeit wieder im Profifußball zu etablieren. Die Fusion im Jahr 2004 erfolgte dabei vollkommen unabhängig vom ortsansässigen Unternehmen Audi, das sich seit 2006 beim FCI insbesondere als Trikotsponsor engagiert. Auch wenn es berechtigte Kritik an der Entwicklung seither (Anteilsverkauf, Stadionname, Zusammensetzung des Vorstands etc.) gibt, so bleibt dennoch festzuhalten, dass es sich beim FCI um einen eigenständigen Verein bzw. eine unter die 50+1-Regel fallende ausgegliederte Kapitalgesellschaft handelt, die einen starken lokalen Partner zur Seite hat. Die Intensität dieser Kooperation wird von Fan-Seite kritisch hinterfragt und es erfolgt ein reger Austausch zur Stärkung und Wahrung der Mitgliedsrechte. Wir sind Fans eines Vereins mit eigenen Farben, einer eigenen Identität, dem Wissen um seine Vergangenheit und dem Anspruch sich als moderner, sympathischer und bodenständiger Verein zu etablieren.

Nichts dergleichen können wir bei RB Leipzig vorfinden. Einer von mehreren Vereinen des Red Bull Konzerns, der in gleicher Weise in jeder Stadt stehen könnte. Ein Verein, der den einzigen Zweck hat, das Produkt – nämlich die grau-blaue Dose – so prominent wie möglich zu platzieren. Der Konzern geht dabei über Leichen, untergräbt die 50+1-Regel und verzerrt den Wettbewerb.

Viele Fanszene haben sich in dieser Saison dazu entschieden, ihr Auswärtsspiel in der Red Bull Arena zu boykottieren. Da für uns dieses Spiel erst zum Ende der Hinrunde ansteht, blieb Zeit, um sich intensiv mit der Problematik zu beschäftigen und innerhalb der Szene Gespräche zu suchen.

Nach diesen Diskussionen steht für die aktive Fanszene fest, dass wir nicht reinen Gewissens dieses Spiel wie jedes andere besuchen können, ohne unsere Vorstellungen von Fußball und Fan-Dasein zu verleugnen.
Die aktive Fanszene des FC Ingolstadt wird daher das Spiel am 7.12. nicht besuchen. Der Mannschaftsrat sowie die weiteren Fanclubs wurden darüber in einem persönlichen Gespräch informiert. Der Protest richtet sich in keiner Weise gegen den Verein FC Ingolstadt, die Mannschaft oder andere Fans. Explizit möchten wir darauf hinweisen, dass wir niemanden vorschreiben können und wollen, ob er selbst zu diesem Spiel anreist. Wir bitten aber darum, unsere Entscheidung zu respektieren und den „Verein“ RB Leipzig ebenfalls zu hinterfragen.
Von Seiten der aktiven Fanszene wird ein Alternativprogramm zum gemeinsamen Verfolgen des Spiels organisiert – nähere Infos hierzu folgen in den nächsten Wochen.

Auch wenn es sehr einfach scheint, den Protesten anderer Vereine zu folgen, eine Stellungnahme zu formulieren und dann das Spiel von zuhause aus anzuschauen, so ist die Entscheidung einzig durch das Abwägen innerhalb der Szene gefallen. Dieser Schritt fällt uns, die wir zum Teil über Jahre hinweg kein Spiel verpasst haben und deren höchstes Ziel die Unterstützung des eigenen Teams ist, extrem schwer. Der aktuelle sportliche Lauf unseres Teams kommt dabei noch erschwerend hinzu.
Nichts desto trotz sind für uns die Möglichkeit der Mitbestimmung und Identifikation in einem Verein sowie die Meinungsfreiheit in einem Stadion um ein Vielfaches wichtiger als jeder Sieg, Aufstiegstraum oder eine Auswärtsserie.
Wir wünschen unserem Team daher an dieser Stelle viel Erfolg beim Spiel in Leipzig.
Fanszene Ingolstadt
Black Red Company
Supporters Ingolstadt
Common Sense Crew
XII. Legion
Krater Schanzer Nördlingen
Outsider Ingolstadt

rs