Anzeige

National

Aktive Fans des SC Paderborn drohen mit Boykott

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 29. Mai 2015
Quelle: imago

Diese Konstellation schließt sich scheinbar aus, aber der SC Paderborn kann die Saison in der Gesamtschau trotz des Abstiegs als Erfolg verbuchen. Gleichwohl ist die Stimmung zwischen Fans und Verein seit dieser Woche ein wenig belastet. Nachdem die Ostwestfalen in der 1. Bundesliga noch mit den teuersten Karten von sich reden machten, hat der SCP die Preise zwar der neuen Spielklasse angepasst, stellt aber auch in der 2. Bundesliga die teuersten Tickets. Sollte es dabei bleiben, droht die aktive Fanszene nun sogar mit einem Boykott der Heimspiele.

In einem offenen Brief an Paderborns Geschäftsführer Martin Hornberger beklagt die Fanszene, dass die Stehplatz-Dauerkarte mit 238 Euro ganze 43 Euro teurer ist als die teuerste Karte der selben Kategorie in der abgelaufenen Zweitliga-Saison (195 Euro, Fortuna Düsseldorf). Auch dem Vergleich der eigenen Preisstruktur in der letzten Zweitliga-Saison hält der SC Paderborn nicht Stand. Die Preissteigerungen liegen teilweise sogar bei über 50 Prozent.

Die Preiskategorie „Kind“ ist sogar ersatzlos weggefallen. Damit würden künftige Fangenerationen verraten, schreibt die Fanszene und fordert eine Senkung der Ticket- und Dauerkartenpreise auf das Niveau der letzten Zweitligaspielzeit 2013/14. Sollte der Verein nicht einlenken, bliebe keine andere Konsequenz als ein Boykott der Heimspiele in der kommenden Saison.

Nachfolgend der offene Brief der aktiven Fanszene des SC Paderborn im Wortlaut:

 

Sehr geehrter Herr Hornberger,

mit Fassungslosigkeit und Unverständnis begegnen wir (die aktive Fanszene) den am Donnerstagmorgen veröffentlichten Eintritts- und Dauerkartenpreisen für die kommende Saison 2015/2016: Schon wieder wird der SC Paderborn die mit Abstand teuersten Dauerkarten der Liga verkaufen. Und damit nicht genug: Schon wieder werden insbesondere die jüngsten SCP-Fans und ihre Familien durch eine unvertretbare Preispolitik diskriminiert.

Doch zunächst ein Blick zurück: In der vergangenen Saison durfte ganz Deutschland „den kleinen, sympathischen und bodenständigen Verein aus Ostwestfalen“ kennen lernen – ein enormer Imagegewinn für den Verein und die gesamte Region. Zahlreiche neue (und vor allem) junge Fans entdeckten ihre Begeisterung für den Sportclub. Neben der Enttäuschung über den verpassten Klassenerhalt dominierte in den letzten Tagen vor allem ein Gefühl: Stolz! Stolz über die herausragende Entwicklung des Vereins und seines Umfelds.

Sie, Herr Hornberger, riskieren jedoch nur wenige Tage nach der bedeutendsten Saison der Vereinsgeschichte nicht nur einen enormen Imageschaden, sondern die Zukunft des gesamten Vereins!

Anzeige

Sie haben den einjährigen Aufenthalt in der höchsten deutschen Spielklasse benutzt, um zwischen der Zweitliga-Saison 2013/14 und der kommenden Saison Preissteigerungen bei den Dauerkarten von teilweise über 50 Prozent vorzunehmen. Bei den Vereinsmitgliedern beträgt die Teuerungsrate sogar bis zu 67 Prozent. So ist beispielsweise die Stehplatz-Dauerkarte satte 67 Euro teurer als noch vor zwei Jahren. Bei den Sitzplatz-Dauerkarten verlangen Sie für eine Dauerkarte je nach Kategorie sogar bis zu 142 Euro mehr als in der Saison 2013/14.

Ein Blick zu unseren Mitstreitern in der kommenden Saison verdeutlicht das erschreckende Bild: Die Stehplatz-Dauerkarte des SC Paderborn ist 43 Euro teurer, als die teuerste Stehplatz-Dauerkarte in der ablaufenden Zweitligasaison (Fortuna Düsseldorf: 195 Euro; SC Paderborn 238 Euro).

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Käufer einer Dauerkarte keinerlei Vergünstigungen im Vergleich zum Kauf von 17 Einzeltickets erhalten. Noch fassungsloser sind wir über den Umgang mit den jüngsten SCP-Fans. Mit der Abschaffung der Preiskategorie „Kind“ werden zukünftige Fan-Generationen verraten. Zukunftsorientierte Fan- und Preispolitik sieht anders aus!

Wie im Vorfeld der vergangenen Saison verurteilen wir außerdem die Gestaltung der Eintrittspreise für Fans mit Behinderung und deren Begleitpersonen. Wie immer werden Sie die Preispolitik mit der „guten Sicht auf das Spielfeld“ und der kostenlosen Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln rechtfertigen. Herr Hornberger, schauen Sie bitte über den Tellerrand: Das ist ligaweit Standard!

Seit Jahren verkaufen Sie die Fans des SC Paderborn für dumm. Schon in der Saison 2005/06 mussten SCP-Fans die Arena-Eintrittspreise bezahlen, obwohl noch gut drei Jahre im Hermann-Löns-Stadion gespielt wurde. Nach dem Stadionwechsel wurden die Ticketpreise erneut erhöht.

Den bisherigen Höhepunkt (oder besser gesagt Tiefpunkt) erreichte die Preispolitik, als der SCP in der vergangenen Saison die teuersten Dauerkarten Deutschlands verkaufte. Diese musste die Fan-Gemeinde aufgrund der außergewöhnlichen Situation und im Hinblick auf das Fassungsvermögen unseres Stadions letztendlich akzeptieren. Für Akzeptanz oder gar Verständnis für die Preisgestaltung fehlt uns in diesem Jahr allerdings jegliche Grundlage!

Wir fordern eine Senkung der Ticket- und Dauerkartenpreise auf das (nicht preiswerte) Niveau der letzten Zweitligaspielzeit 2013/14! Des Weiteren fordern wir die Wiedereinführung der Preiskategorie „Kind“ – jenseits der 400 durch einen Sponsor (!) gestützten Eintrittskarten für Block C.

Sollte es kein Einlenken in der Preispolitik seitens der Vereinsführung geben, wird die aktive Fanszene bis auf Weiteres kein Heimspiel des SC Paderborn besuchen und auf den Kauf von Dauerkarten verzichten! Zahlreiche Fanclubs haben bereits signalisiert, dass sie sich unserem Weg anschließen werden. Die Fan-Gemeinde des SC Paderborn wird Ihre unprofessionelle Fan- und Preispolitik nicht weiter dulden! Sie gefährden den Imagegewinn und die hervorragende Entwicklung des Vereins und seines Umfelds!

Fußball muss bezahlbar sein – für Jung und Alt!

Die aktive Fanszene des SC Paderborn 07