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Hintergründe

Aki und der enthemmte Mob

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 06. Februar 2017
Quelle: imago

Nach wie vor sorgen die Vorfälle beim Spiel von Borussia Dortmund gegen RB Leipzig für Diskussionen. Kritik, Protest, Beleidigungen und Gewalt werden dabei mitunter völlig undifferenziert in einen Topf geworfen. Ein Kommentar. 

Aus Leipzig mehren sich derzeit die Stimmen, die den Dortmunder Verantwortlichen eine Mitschuld an den Auswüchsen von Samstag geben. „Sie stehen persönlich zumindest moralisch für Gewalt- und Hassexzesse Ihrer Anhänger gegenüber den RB Leipzig-Fans“, schreiben etwa die Bornaer Bullen in einem offenen Brief an BVB-Geschäftsführer Hans Joachim Watzke. Auch die Seite RB-Fans.de sieht die Dortmunder Führungsriege, aber auch das Online-Fanzine schwatzgelb.de in der Verantwortung dafür, „dass die Ablehnung und der Hass gegenüber RB Leipzig gerade in Dortmund so kultiviert werden konnte.“

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Dass einige BVB-Fans am Samstag tatsächlich dermaßen hasserfüllt waren, dass sie ankommende RB-Fans mit allerlei Gegenständen bewarfen, soll also auf Watzke-Sprüche wie „Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen“ zurückzuführen sein? Wer glaubt, die unsäglichen Vorfälle vor dem Stadion wären ohne die nun verteufelte Kritik und Sticheleien ausgeblieben, überschätzt die Rücksicht, die manche Fußballfans auf die Meinung von Vereinsverantwortlichen oder anderen Anhängern nehmen leider massiv.

Doch der Mensch mag es nun einmal am liebsten einfach, teilt sich die Welt in Schwarz(-Gelb) und (Rot-)Weiß. So verschwimmen in der öffentlichen Wahrnehmung indiskutable gewalttätige Vorfälle, teils geschmacklose und grenzübschreitende, teils schlicht stumpfe Banner mit notwendiger Kritik und legitimem Protest zu einem „völlig enthemmten Mob“ mit „hasserfüllten Fratzen“. Eine differenziertere Herangehensweise täte allen Beteiligten gut – auch wenn sie schwerfällt.