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Hintergründe

AFC Wimbledon: Wenn Fans ihren eigenen Verein neu gründen

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 30. Januar 2014
Quelle: Imago

Stell dir vor, dein Lieblingsverein nennt sich um, verändert seine Vereinsfarben und zieht in eine andere Stadt! Unmöglich? Von wegen! Dieses Horrorszenario spielte sich beim Traditionsverein FC Wimbledon ab. Die Fans nahmen ihr Schicksal deshalb selbst in die Hand und gründeten ihren bis zur Unkenntlichkeit veränderten Klub kurzerhand neu – mit durchschlagendem Erfolg.

2002 überzeugte der Unternehmer Pete Winkelmann die Vorsitzenden des finanziell arg gebeutelten FC Wimbledon zu einem Umzug ins 100 Kilometer entfernte Milton Keynes, um seiner Heimatstadt einen professionellen Fußballklub zu schenken. Wenig später kauft Winkelmann den FC Wimbledon auf und tauft ihn um: Der FC Wimbledon heißt jetzt Milton Keynes Dons.

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Neugründung als AFC Wimbledon

Plötzlich standen die Fans des Londoner Stadtteilclubs ohne Verein da. Ein wöchentliches Pendeln zwischen London und Milton Keynes kam für die Anhängerschaft nicht infrage, die treuen Supporter konnten und wollten sich nicht mit dem neuen Klub identifizieren. Um den Pokalsieger von 1988 neu aufleben zu lassen, entschieden sich die Fans, den AFC Wimbledon nach traditionellem Vorbild neu zu gründen. Diese ungewöhnliche, fast schon revolutionäre Idee erregte in den englischen Medien viel Aufsehen. Die „Wombles“ gelten als die ersten Fans im Mutterland des Fußballs, die die Auswüchse der Kommerzialisierung so hart getroffen hat, dass sie keinen anderen Ausweg als die Neugründung ihres eigenen Vereins sahen.  Der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Rasanter Aufstieg in den Profifußball

Alles nahm seinen Anfang mit einer wild zusammengecasteten Mannschaft, die in der neuten Liga neu anfing. Doch Wimbledon gelang ein beeindruckender Durchmarsch, auch dank der überwältigenden Unterstützung durch die treuen Fans. Fünf Aufstiege später konnte sich der Verein zwar in der vierten Liga etablieren, doch der große Traum soll hier noch nicht enden. Bei einem Aufstieg in die dritte Liga würden die Londoner dann auf ihr Alter Ego treffen, die Milton Keynes Dons. Doch das Projekt gestaltet sich schwierig, der AFC-Express gerät ins Stocken, denn auch in Liga vier haben viele Konkurrenten bereits finanzstarke Investoren im Rücken. Die Sympathien freilich können sie sich davon nicht erkaufen. Der AFC Wimbledon ist so etwas wie das Symbol geworden für Fans, die sogar den beschwerlichsten aller Wege auf sich nehmen und ihren Verein zur Not selbst neu gründen.