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National

1860-Fans verurteilt: Haft- und Geldstrafe!

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 04. Juli 2014
Quelle: imago

Das Zweitliga-Spiel zwischen Ingolstadt und 1860 München im Februar wurde in den Medien als „Skandalspiel“ gehandelt. Mehrmals zündeten die Löwen-Anhänger pyrotechnische Gegenstände und warfen Feuerzeuge aufs Spielfeld. Vor und nach dem Spiel krachte es angeblich abermals. Die Ansichten von Fans und Polizei gehen dabei allerdings weit auseinander.

Die Urteile sind nicht nur auf den ersten Blick sehr hart: Ein 23-jähriger 1860-Fan wurde für 6 Monate (ohne Bewährung) wegen vorsätzlicher und versuchter Körperverletzung gegen einen Beamten verurteilt. Der andere Angeklagte, 21, wurde zu einer Geldstrafe von 1.350 Euro verurteilt, da er einen Beamten beleidigte und ihn außerdem an der Aufzeichnung weiterer Straftaten hinderte, so muenchen.tv.

Richter bleibt hart

Die Vorfälle fanden auf der Rückfahrt des Auswärtsspieles in Ingolstadt statt. Die Polizei wollte – nach Wahrnehmung eines Rauchgeruchs – in das obere Abteil eines Wagons gelangen und nachsehen, was diesen auslöste. Der 23-Jährige stellte sich laut Polizei einem Uniformierten in den Weg und versuchte ebenfalls an das Holfter und die Pistole des Polizisten zu gelangen. Der 1860-Fan soll dem Polizisten ebenfalls gegen die Brust und in den Bauch geschlagen haben. Auch bei der Identitätsfeststellung leistete er weiteren Widerstand. Da der 23-Jährige schon wegen Delikten rund um Fußballspiele vorbestraft war, fällt die Strafe dementsprechend hoch aus. Der Angeklagte sagte aus, dass er zu alkoholisiert war, um die Geschehnisse zu begreifen. Der Richter jedoch fand diese Aussage wenig plausibel und verwies darauf, dass der Angeklagte durch seine vorherigen Verfahren nichts gelernt habe.

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Der 21-Jährige hingegen versuchte mit zwei anderen Fans einen „Dokumentations- und Beweissicherungstrupp“ daran zu hindern, Straftaten aufzuzeichnen. Zusätzlich zeigte er einem Beamten den „Scheibenwischer“. Er wurde zu einer Geldstrafe von 1.350 Euro verurteilt. Alles in allem hatte die Bundespolizei nach dem Spiel gegen 14 Personen Strafanzeige gestellt, unter anderem wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung gestellt.

Blaue Hilfe beschuldigt Polizei vehement

Wieder stellt sich die Angelegenheit aus Sicht der Fans völlige anders dar. Die „Blaue Hilfe“ stellte bereits wenige Tage nach dem Spiel eine Stellungnahme ins Netz. In dieser heißt es unter anderem: „Die Berichterstattung durch die Polizei ist unrichtig und dient ausschließlich zur Vertuschung ihrer brutalen Übergriffe.“ Außerdem hat die Blaue Hilfe angekündigt, über ihre Anwälte Strafanzeige gegen die Polizisten zu stellen, da es genug Augenzeugenberichte und Videos gibt, die das Fehlverhalten darstellen können. Das Erreichen des Bahnhofs wird so geschildert:

 Das gesamte Areal war umstellt (hier vereinigten sich die Bundespolizei, Landespolizei und Bundesbahn Security), Hunde ohne Maulkorb kläfften kleine Kinder an und wir wurden zusammen getrieben wie eine Horde Vieh! Alle wollten nur noch raus, frische Luft, etwas zu trinken und nach Hause! Wir waren eingekesselt, daraufhin wurde eine Polizeikette durchbrochen, da man keinen informierte was das soll! Das darauffolgende ist schwer in Worte zu fassen. Man sah wild um sich schlagende Polizisten, blutende Männer und Frauen hörte panische Schreie und wieder der Einsatz von Pfefferspray. Eine stark blutende Frau wurde von ihren Freunden vorbei getragen, ihr wurde jegliche ärztliche Hilfe verweigert! Wieder einmal! Vielleicht war es Zufall oder dem Befehlsgeber wurde seine, eigentlich deeskalierende Aufgabe, bewusst? Bevor die Situation vollends eskalierte wurden die schmalen Türen der alten Schalterhalle geöffnet. Dass bei dem anschließenden Gedränge keine Panik ausbrach und es keine Schwerverletzten gab grenzt schon fast an ein Wunder.

Die komplette Stellungnahme, mit dem Bericht der Rückfahrt findet ihr hier.

 jh