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Hintergründe

Zukunft der Fankurve: Still, farblos – Einfach langweilig?

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 29. Juli 2014
imago12030015h Quelle: imago

Stille. Fast 90 Minuten. So hört Sie sich also an, die schöne neue Fußballwelt – ganz ohne aktive Fanszene. Zumindest in den Heimblöcken. Das, was sich am Sonntag in Münster bei der Partie gegen Hansa Rostock abspielte, war ein Warnschuss für alle – für Fans, Liga und Vereine.

Wenn man bei bestem Fußballwettter in einem Top-Spiel jeden Bierbecher fallen, jeden Möchtegern-Trainer meckern hört, dann ist das nicht mehr mein Spiel. Das, was sich auf den Heim-Rängen abspielte, war ein schlechter Witz, eine Ohrfeige für jeden Fangesängeliebhaber, für jeden, für den Fußball mehr als 90 Minuten Sport ist.

Es hätte alles so schön sein können. Das Spiel war spannend. Sieben Tore und eine rote Karte, bis zum Schlusspfiff war das Ergebnis offen. Fußballherz, was will man mehr? Stimmung zum Beispiel, möchte man all jenen Bürokraten, Sicherheitsfanatikern und Papierstemplern entgegenrufen. Es war erschütternd und traurig mit anzusehen, was in den Kurven der Heimfans passierte: Gar nichts.

 

Der Grund für den Boykott der aktiven Fanszene in Münster, die sich weigerte, die fanfeindlichen Beschlüsse einfach so hinzunehmen, ist verständlich. Verschiedene Stellungnahmen zu dem neuen Maßnahmenkatalog (IIIIII) wurden veröffentlicht und gelesen – doch wie die Fanszene darauf reagierte, war bis zum Verteilen der Flyer am Spieltag ungewiss. Auch wenn die stimmgewaltigen Rostock-Fans wahrscheinlich trotzdem lauter gewesen wären: Der Verbot und der damit einhergehende Stimmungsboykott ist ein Schuss ins eigene Bein für den Verein. Und vor allem für jeden Fußball-Fan. Egal ob Ultra, Kutte oder Normalo!

Natürlich ist da auch die Seite des Vereins: Münster ist, so der Duktus der Preußenverantwortliche, das böse Kind der Liga, mit 27 Vorfällen, die alle mit Pyrotechnik zu tun haben, in den vergangenen zwei Saisons an der Spitze sämtlicher Profivereine. Das ist ärgerlich – für jeden Verein, zumal Geisterspiele oder Teilausschüsse angedroht worden sind.

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Alles verboten…

Aber trotzdem bleibt die Frage der Angemessenheit der Maßnahmen: Ein Verbot von JEGLICHEN Doppelhaltern? Und Fahnenpässe, bei denen im Kleingedruckten steht, dass man Stadionverbot erhalten könnte, wenn hinter einem ein Bengalo gezündet wird? Nach „Dialog und Vertrauen“ hört sich das leider nicht an. Eher nach unkontrollierter Kollektivstrafe.

Letztlich besteht nur die Hoffnung, dass die Zukunft in deutschen Stadien oder einzelnen Kurven nicht so aussehen wird, wie das, was man am Sonntag beobachten konnte. Die Beschlüsse in Münster haben mit Fankultur nichts zu tun, gefährden diese sogar. Die Maßnahmen in Wuppertal sind ein weiteres warnendes Beispiel. Selbst der DFB ruft mittlerweile zu einer generellen Erlaubnis der üblichen Fan-Utensilien auf.

Zurück zum Sonntag: Jeder, der den Hansa-Block für nur zwei Minuten beobachtet hat, wusste, wie ein Fanblock auszusehen hat: Große Zauhnfahnen, riesige Banner und dahinter ein positiv-verrückter Mob, der bedingungslos hinter der Mannschaft steht. Auf der anderen Seite: keinerlei Anfeuerung, keine Fahnen und vor allem: Kein Spaß. Aber anscheinend war ja doch alles nicht so schlimm, wie ein Tweet von Preußen Münster zeigt. Auch eine Sichtweise. Willkommen, schöne neue Fanwelt.

 

 

jh

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