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National

Presserat erteilt HAZ Online einen Hinweis

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 09. Februar 2015
Hannover 96, Bus Quelle: imago

Der deutsche Presserat hat die Beschwerde zweier Mitglieder der Fanhilfe Hannover bestätigt und der Online-Redaktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einen Hinweis erteilt. Die Beschwerdeführer hatten die Berichterstattung über die Vorfälle beim Regionalliga-Derby zwischen den Zweitvertretungen von Eintracht Braunschweig und Hannover 96 kritisiert.

Gegenstand der Beschwerde waren gleich mehrere Details der Berichterstattung rund um das Spiel. So zweifelten die Beschwerdeführer unter anderem an, dass es innerhalb des Stadions zu Auseinandersetzungen gekommen sei. Ferner habe ein Video belegt, dass entgegen der Berichterstattung der HAZ Online, keine Bengalos im Stadion gezündet worden seien. Weitere Beschwerden haben die Antragsteller gegen die Berichterstattung über den Polizeieinsatz in einem Hannoveraner Fanbus erhoben. Die HAZ hatte zunächst berichtet, dass einer der 80 Insassen CS-Gas versprüht habe, später stellte sich jedoch heraus, dass die Polizei selbst Pfefferspray und kein CS-Gas eingesetzt habe. Der Polizeieinsatz, bei dem sämtliche Personalien der Businsassen aufgenommen wurden, habe zudem bedeutend länger als zwei Stunden gedauert, wie in dem Artikel beschrieben.

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Die stellvertretende Chefredakteurin der Zeitung führte gegenüber dem Presserat an, dass die Redaktion den Artikel laufend aktualisiert und inhaltliche Fehler später erkennbar gemacht und korrigiert habe. Die inhaltlichen Fehler beruhten auf Informationen der Polizei, die Beamten hätten diese später selbst korrigiert. Die Polizei sei dabei als „privilegierte Quelle“ zu betrachten, deren Schilderungen nicht grundsätzlich infrage zu stellen seien.

Dieser Einschätzung kam der Presserat zwar grundsätzlich nach, formell seien der HAZ jedoch Fehler anzulasten, die letztlich dazu führten, dass der Presserat einen Verstoß gegen die in Ziffer 2 des Pressekodex festgeschriebenen Sorgfaltsregeln erkannt hat. Dazu erklärte der Presserat: „Die Redaktion hat sich nach übereinstimmender Auffassung des Gremiums bei der Schilderung der Ereignisse im Shuttle-Bus die Mitteilung der Polizei zu Eigen gemacht und nicht die gebotene Distanz gewahrt. Redaktionen sind zwar nicht grundsätzlich dazu verpflichtet, sämtliche Informationen, die sie von der Polizei erhalten, in Frage zu stellen. Insofern ist der Polizeibericht eine ‚privilegierte Quelle‘, wie die Redaktion argumentiert. Zumindest in Fällen, in denen die Polizei selbst in Auseinandersetzungen eingreift und so zu einer der streitenden Parteien wird, ist aber journalistische Distanzierung geboten. Die Polizei hätte als Quelle genannt werden müssen, um den Lesern deutlich zu machen, dass die geschilderten Informationen nicht durch eigene Recherche/eigene Beobachtungen erhoben, sondern von einer der beteiligten Parteien übermittelt wurden. So aber wurde die Darstellung der Polizei zur Tatsache erhoben – die sich im Nachhinein in einem Detail als falsch herausstellte (CS-Gas).“

Rund um die Ereignisse im Stadion konnte der Presserat der Beschwerde indes nicht folgen. Es gebe keinerlei Hinweise, die die Berichterstattung widerlegen oder auch nur in Zweifel ziehen würden.

Die gesamte Entscheidung ist hier einsehbar.

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