Anzeige

National

Lob für RB Leipzig? BVB-Fans kritisieren Watzke

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 07. September 2014
imago11156187h Quelle: imago

Hans-Joachim Watzke hat sich mit Kritik an den Wolfsburgs, Hoffenheims und Leverkusens der Bundesliga selten zurückgehalten. Die letzten Aussagen des Dortmunder Geschäftsführers in Bezug auf RB Leipzig klangen nun plötzlich völlig anders.

Watzke prophezeite Leipzig eine große Zukunft, die den deutschen Fußball insgesamt stärken werde. Eine Kehrtwende, die viele Dortmunder Fans aufhorchen ließ, gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Geschäftsgebaren des BVB. Die Dortmunder Vertreter in der Organisation Pro Fans haben Watzke daher in einem offenen Brief nun scharf kritisiert.

Neben Unverständnis für seine Äußerungen über den Brauseklub moniert die Gruppe auch eine „generelle Fehlentwicklung in der Geschäftspolitik des BVB.“

 

 

Nachfolgend die Erklärung im Wortlaut:

Anzeige

Die bei ProFans organisierten Dortmunder Gruppen reagieren mit Unverständnis auf die zuletzt getätigten Äußerungen des Geschäftsführers der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA Hans-Joachim Watzke zum Thema Rasenballsport Leipzig.

Mit Befremden nehmen wir die Wende in den Aussagen von Hans-Joachim Watzke bezüglich des Engagements von Red Bull bei Leipzig wahr. Äußerte sich Herr Watzke 2013 noch kritisch zu dem Werbeprojekt und sprach richtigerweise despektierlich von Rasenschach Leipzig, hat er nun die Kehrtwende vollzogen und spricht von einer „großen Chance für den Ostfußball“. Begründet wird die Neubewertung des Leipziger Zweitligisten mit wirtschaftlichen Indikatoren wie erwartete Zuschauerzahlen, Lizenzerteilung der DFL und verkauften Sky-Abonnements.

Für die Dortmunder Gruppen ist es nicht hinnehmbar, dass die Werte des deutschen Vereinswesens wie Mitgliederpartizipation, Vereinsleben und -verbundenheit und ehrenamtliches Engagement, die auch mit der 50+1 Regel geschützt werden sollten, auf erwartete Zuschauereinnahmen und verkaufte Sky-Abos reduziert werden. Der einzige Sinn und Zweck der Fußballmannschaft von Red Bull ist die Verbreitung und Bewerbung eines Produktes. Damit wurde das Verhältnis von Verein zum Sponsor umgekehrt und ist damit für uns in Gänze abzulehnen. Auch die letztendliche Lizenzerteilung durch die DFL kaschiert nicht die massiven Defizite, die der Werbeklub aus Leipzig nach wie vor aufweist. Zusätzlich zeigt das Beispiel Österreich, dass der Red Bull Konzern um Dietrich Mateschitz den sportlichen Wettbewerb sowohl finanziell wie auch organisatorisch ad absurdum führt, wenn zwei von Red Bull kontrollierte Mannschaft gegeneinander spielen

In diesem Zusammenhang erscheint es verwunderlich, dass Herr Watzke bei Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim von „aufgepfropfter Fußballbegeisterung“ spricht, selbes aber auf Leipzig nicht zutreffen soll? Herr Watzkes Definition von Fußballbegeisterung widerspricht damit in wesentlichen Punkten unserer Auffassung und Rasenballsport Leipzig wird niemals von uns als sportlicher Konkurrent wie der FC Schalke 04 e.V. oder FC Bayern akzeptiert werden. Aus Gesprächen mit anderen Akteuren der Fanszene wissen wir, dass große Teile der Dortmunder Fans ebenso wenig Herrn Watzkes verkürzte Vorstellungen von einem Verein teilen.

Viel mehr schimmert aus unserer Sicht hier eine generelle Fehlentwicklung in der Geschäftspolitik des BVB durch, die immer mehr durch eine rein wirtschaftliche Denkweise geprägt ist und die hohe soziale und gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung eines Traditionsvereins für seine Anhänger und die Region vernachlässigt. Die besondere Leidenschaft, Begeisterungsfähigkeit und Treue von Fans für ihren Verein wird nur noch unter einem Umsatzmaximierungsansatz betrachtet, der vermeintlich die Position als zweite deutsche Kraft im Fußball festigen soll. Dabei bleiben in den Augen von ProFans Dortmund die Ideale von Borussia Dortmund und die große Verbundenheit, welche Fans und Verein auch in schweren Zeiten zusammenhielt, gänzlich auf der Strecke.

Die Dortmunder Gruppen werden weiterhin zu eben diesen Idealen stehen und das Produkt Rasenballsport Leipzig ablehnen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen. Fußball ist für uns mehr als Popcorn fressendes Erfolgspublikum und verkaufte Sky-Abonnements.

ProFans Dortmund

14 Responses to “Lob für RB Leipzig? BVB-Fans kritisieren Watzke”

  1. ed-man sagt:

    Die ProFans-Stellungnahme finde ich sehr sympathisch. Sie zeigt, dass für die Verfasser der sportliche Aspekt des Fußballs die höchste Priorität genießt. Trotz dem kann ich mich diesen Ausführungen nicht im vollen Umfang anschließen. Würden Die BL-Vereine nach dieser Ideologie handeln, wäre der einheimische Fußball international allerhöchstens zweitklassig. Dass der Spruch „Geld schießt keine Tore“ mittlerweile völlig veraltet ist beweisen Topstars des Weltfußballs, die bei Mannschaften wie Real Madrid oder Barcelona unter Vertrag stehen. Vor diesem Hintergrund verstehe ich die Bewegründe vom Herrn Watzke, den BVB auf eine wirtschaftlich mehr als stabile Basis stellen zu wollen, sehr gut. Nur so kann der BVB den Ansprüchen seiner Fans gerecht werden. An dieser Stelle sollte man vielleicht eine Diskussion über die Definition der Bezeichnung Fan beginnen. Was erwarten die Zuschauer von ihrer Mannschaft? Die Verfolgung des olympischen Gedankens oder den Erfolg im Haifischbecken der UEFA? Mir wäre der olympische Gedanke zu wenig. Mit sportlichen Grüßen.

  2. Hmmmm sagt:

    Das klingt für mich wie: Uuuuuaaaaaahhhhhhhhh, heul!!! Hilfe, die Ossis kommen!
    Soviel Selbstverliebtheit und auf einmal sind alle gegen den Watzke…

  3. DerOck sagt:

    Wieso eigentlich immer diese Beleidigungen: „Popcorn fressendes Erfolgspublikum“ Woher kommt diese unerträgliche Arroganz in dieser sogenannten Fans? Wahrscheinlich ist keiner dieser Klugsch… jemals in Leipzig gewesen. Schlaflose Nächte deswegen wird dort aber wohl keiner haben!

  4. L.E. sagt:

    hab zwar noch nie im stadion ein krümel popcorn gesehen, aber gut. Die leute aus einer 500 Kilometer entfernten statt müssen es ja besser wissen.

    zu diesem ganzen gequake von wegen „RBL ist nur Marketing für ein Produkt“ kann ich nur sagen: wenn mateschitz sein produkt hätte vermarkten wollen, dann hätte er anteile von hertha bsc oder dem klammen hsv gekauft und im stadion seine werbung aufgehängt. dass wäre 20x wirkungsvoller gewesen, als für 100 mio einen verein aus dem boden zu stampfen. Mateschitz geht es darum, sich selbst zu verwirklichen. und leipzig profitiert davon!!!
    aber so ist es halt, der mensch muss immer nach etwas suchen, um sich aufzuregen…

  5. keineahnung sagt:

    … und in Dortmund ist ein Sack Reis umgefallen. Um an Kohle zu kommen hoffiert jeder Verein seine Sponsoren. Ich halte diese Vorgehensweise von Red Bull auf Vereinsebene für sehr bedenklich aber sportlich und finanziell ist im Osten ( außer in Berlin ) wohl nur diese Möglichkeit gegeben und wer weiß vieleicht ist das der negative Anfang des Profifussballs der Neuzeit. Meinen Hut ziehe ich allerdings vor der Marketingabteilung von RED BULL, alles richtig gemacht und in aller Munde. Das „Projekt“ hat sich bestimmt schon refinanziert.

  6. guenther sagt:

    In und um Leipzig geht es den inzwischen zahlreichen Fans von RB Leipzig um Fußball und sonst nichts. Das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage die das Verhalten beim Red Bull-Konsum in den einzelnen Bundesländern untersucht weiss ich allerdings schon vorab – in Sachsen und überhaupt im Osten garantiert nicht!

    Und die Tradition in Vereinen – die geht sowieso den Bach runter in ein paar Jahren und zwar in allen Vereinen. Davon künden jedes Jahr unzählige Löschungen von Laienchören im Vereinsregister, Tierzuchtvereinen fehlt es an Nachwuchs, die Volkssportvereine haben keine Übungsleiter mehr und,und und – und woran liegt das – weil sie alle keinen Nachwuchs oder aber kein Geld haben. Gott sei Dank hat der Fußball Leipzig nun Nachwuchs und Geld.

  7. hallenser sagt:

    „Gott sei Dank hat der Fussball in Leipzig nun Nachwuchs und Geld“

    Glückwunsch dazu – nur zu welchem Preis? Leipzig bietet als Werbeplattform ideale Voraussetzungen, damit Mateschitz seinem Hobby frönen kann – Geld verdienen.
    Retorte, keine Seele, Klatschpappenpublikum (gut, gibt es in München auch). Aber der gemeine Leipziger ist zufrieden, auch Dank Sachsen Leipzig und Lok.
    Vielleicht einfach nochmal nachlesen, worin der Unterschied zwischen Sponsoring und Mäzenentum besteht. Nur so als Tipp.

  8. Uwe sagt:

    @hallenser
    08.09.2014 at 19:52

    – lass uns bitte an deinen Tipp teilhaben.

  9. u.gegenschatz sagt:

    „Uuuuuaaaaaahhhhhhhhh, heul!!! Hilfe, die Ossis kommen!“

    @ hmmm

    Gar nicht gewusst,dass fuschl in Ostdeutschland ist.
    P.S. Boykottiert Matteschitz Produkte denn is rasenball bald Geschichte

  10. rmmdoll sagt:

    Die ProFans hatten hier eigentlich eine respektable Position formuliert, die man teilen kann oder eben nicht.

    Der letzte Satz jedoch „popcorn fressend…“ hat die Gruppe als Extremisten entlarvt, denen es eben nicht primär um den Sport und die Identifikatiön mit einem Verein geht. Aus so einer despektierlichen Verallgemeinerung anderer Fussballtuschauer spricht eine extremistische, intolerante Geisteshaltung. Die ist weder im Fussball noch in anderen Lebensbereichen akzeptabel.

  11. rasenballistiker sagt:

    wunderbar, wie sich die „traditionalisten“ winden und zähneklappern… selbst schon seit jahren brav zahlendes fußvolk (ja, immer schön die teamtrikots mit werbung für 80 € kaufen). fussball ist übrigens nicht wichtig zum überleben und sollte generell nicht überbewertet werden… ist auch keine religion; einfach nur panem et circensis ! wohne und arbeite in leipzig und freue mich riesig auf die erste liga. einfach nur guten fußball sehen und gut is. mateschitz hat alles richtig gemacht und jetzt geht den etablierten vereinen der arsch auf grundeis – wunderbar !

  12. Schreiber sagt:

    Der BVB hat in Singapur ein Büro eröffnet:

    http://www.media-sportservice.de/index.php?option=com_content&view=article&id=7598:bvb-eroeffnet-buero-in-singapur&catid=8:news-fussball-3-liga-mspw

    Macht der BVB das um das Vereinsleben vor Ort zu pflegen und weil ihm die Region und die Menschen besonders am Herzen liegen? Oder lockt nicht viel mehr der asiatische Markt, auf dem sich in Zukunft millionenfach Merchandise-Artikel absetzen lassen?

    Wie viel soziales und gemeinnütziges steckt denn in den Fußballfirmen (die sich Vereine nennen) heutzutage noch? Wie viel regionale Verbundenheit haben denn eigentlich die Spieler? Denkt ein Götze, Lewandowski und vielleicht auch bald Reuss an „ProFans Dortmund“ wenn er dem Geld folgt? Wie viel Mitspracherecht haben denn die Fans bei wichtigen Entscheidungen?

    Auch wenn es vielen Romantikern missfällt, Fußball ist ein Geschäft geworden, schon lange vor dem Einstieg von Red Bull. Wenn Watzke das Engagement von Red Bull als große Chance für den Ostfußball sieht, dann ist es halt seine Meinung. Die kann man teilen oder nicht. Am System wird das nichts ändern.

  13. Reservist sagt:

    Da frage ich mich doch warum der BVB eine AG aus dem Boden gestampft hat. Und die 1.Mannschaft ist bestimmt ausgegliedert wie beim FC Bayern und anderswo. Schade leibe Dortmunder dass ihr so auch Leipziger Fans des BVB (ja die gibt es wirklich!) so vor den Kopf stoßt..
    Sammelt doch mal für den FC Lok und spendet, dann könnt ihr zeigen dass ihr Fans seid. So ist das einfach nur Gelaber und zum Teil unter der Gürtellinie, das von Unwissenheit strotzt. Oder gibt es bei Euch im Stadion Popcorn? Bei uns nicht, aber Currywurst 🙂

  14. Realität sagt:

    …und an den Weihnachtsmann glaubt ihr Idioten auch noch.

Schreibe einen Kommentar