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National

Fanbeirat Babelsberg: Harte Kritik gegen die Polizei

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 22. September 2014
imago10227375h Quelle: imago

Der Fanbeirat Babelsberg hat keine netten Worte für den Einsatz der Polizei übrig, der nach dem Spiel beim BFC Dynamo stattgefunden haben soll. In einer Stellungnahme erklären sie nun öffentlich, was in der Zeit nach dem Spiel passiert sein soll. Von einer Attacke von Neonazis und einem groben ungerechtfertigten Polizeieinsatz ist die Rede.

Babelsberg-Fans wollten nach dem Spiel in der Kneipe „BAIZ“ den Tag ausklingen lassen. Schon auf dem Weg dorthin wurden Babelsberger angeblich von einer Gruppe Neonazis attackiert. „Es gelang den Babelsberg-Fans jedoch, sich in die Bar zu flüchten. Der Wirt schloss die Tür und ließ die Rollläden herunter.“

Als die Polizei eintraf, waren die Neonazis schon wieder verschwunden und „die Situation schien sich zu beruhigen“. Dann wurde es jedoch hektisch: „Die Uniformierten kesselten die Menschen vor und in der Bar ein und erteilten mündliche, pauschale Platzverweise.“ Die Polizeikräfte seien „ohne jede Ankündigung oder Begründung“ in die Kneipe gestürmt und sollen dabei Tische und Stühle umgeworfen haben.

Nachdem die Fans circa eine Stunde in der Kneipe festgehalten worden sein sollen, mussten viele auch ihre Personalien abgeben. „So wurde eine Person aufgefordert, ihren Ausweis abzugeben, da sie Zeugin sei. Bei der Rückgabe ihres Dokuments hieß es dann, sie müsse mit einer Anzeige rechnen.“

Der Fanbeirat Babelsberg ist der Meinung, dass dieser völlig verfehlte Einsatz schnell aufzuklären ist und „alle Vorwürfe gegen die Kneipenbesucher*innen fallen“ gelassen werden sollen.

 

Nachfolgend die Stellungnahme im Wortlaut:

Pfefferspray, Schläge und Lügen statt Hilfe in der Not

Erklärung zu einem ungerechtfertigten, massiven Polizeieinsatz gegen Fans des SV Babelsberg 03 nach dem Spiel gegen den BFC Dynamo an der Kneipe BAIZ

Es sollte ein entspannter Fußballnachmittag in Berlin Prenzlauer Berg werden. Doch für einige Fans des SV Babelsberg 03 endete der Regionalligaspieltag am Sonnabend in einer schockierenden und schmerzhaften Begegnung mit Neonazis und Einsatzkräften der Polizei.

Der SV Babelsberg 03 gastierte am Samstag beim BFC Dynamo im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Es war zu befürchten, dass es Angriffe von Neonazis bzw. Anhängern des BFC geben könnte. Daher setzte die Polizei auf eine konsequente Fantrennung. Das Konzept ging zunächst auf. Die Anreise und das Spiel selbst blieben für die Fans des SV Babelsberg 03 friedlich.

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Nach Abpfiff machten sich einige Babelsberg-Fans auf den Weg in die Kneipe BAIZ in der Wörther Straße/Ecke Schönhauser Allee. Der Barmensch öffnete sogar eine halbe Stunde früher als sonst, um die Babelsberg-Fans zu empfangen. Sie gelten dort stets als willkommene Gäste. Doch statt eines ruhigen Ausklangs des Spieltages mussten die Babelsberg-Fans nun Gewalt von mehreren Seiten erleben.

Die ersten Babelsberg-Anhänger, die sich zur BAIZ begaben, wurden von einer Kleingruppe Neonazis auf der Schönhauser Allee verfolgt. Ein paar weitere Neonazis kamen die Wörther Straße hinauf. Es gelang den Babelsberg-Fans jedoch, sich in die Bar zu flüchten. Der Wirt schloss die Tür und ließ die Rollläden herunter, sodass kleinere Gegenstände, die gegen die Fenster geworfen wurden, nicht für Schäden sorgen konnten. Die Polizei wurde von dem Angriff informiert und rückte wenige Minuten später mit den ersten Einheiten der Bereitschaftspolizei an. Bis dahin waren die Angreifer verschwunden. Die Situation schien sich zu beruhigen und immer mehr Menschen kamen vom Stadion zur Kneipe.

Dann näherte sich eine weitere Person der BAIZ, die wegen der Aufschrift ihres T-Shirts dem neonazistischen Spektrum zugeordnet wurde. Es kam zu einer Rangelei, in die ein Zivilpolizist unter Einsatz eines Schlagstocks und mit den an die Babelsberg-Fans gerichteten Worte „Verpisst Euch!“ einschritt. Babelsberg-Fans klagten später über Schmerzen aufgrund von Schlägen mit einem Tonfa. Der zu vermutende Neonazi konnte sich, ohne aufgehalten zu werden, entfernen. Stattdessen ging die Polizei nun auf die Menschen los, die die Kneipe besuchen wollten bzw. dies bereits taten. In der Zwischenzeit sind weitere Einsatzkräfte angerückt. Das Großaufgebot umfasste mindestens zehn Mannschaftswagen. Die Uniformierten kesselten die Menschen vor und in der Bar ein und erteilten mündliche, pauschale Platzverweise. Sie kontrollierten nun auch den Eingang zur BAIZ. Es konnten nach Rücksprache noch immer Menschen hinein und wieder heraus, etwa um ihre Sachen zu holen.

Plötzlich, ohne jede Ankündigung oder Begründung, stürmten mehrere Polizeikräfte durch die Kneipentür in die BAIZ hinein. Dabei warfen sie Tische auf dem Gehweg um, an denen Leute saßen. Mindestens eine Person wurde in diesem Moment von den Polizisten zu Boden geworfen und getreten. Die Einsatzkräfte, die in die Kneipe drängten, taten dies mit Pfefferspray-Dosen im Anschlag. Die Menschen in der Kneipe wurden davon völlig überrascht und sahen sich einem erneuten Bedrohungsszenario ausgesetzt – erlebten sie doch erst Minuten zuvor einen Angriff von Neonazis. Offenbar waren mehrere der Einsatzkräfte mit der Situation völlig überfordert. Sie machten keine Ansage und stellten keine Fragen, sondern standen einen Moment lang nur da. Dann setzten mehrere in dem geschlossenen Raum Pfefferspray ein – offenbar ohne einen Befehl dafür zu haben, geschweige denn ein bestimmtes Ziel damit zu verfolgen. Sie trafen mehrere Babelsberg-Fans, die noch Stunden später gereizte Augen und Hautpartien aufwiesen. Eine Person musste von Sanitätern behandelt werden. Aber auch mindestens ein Polizist musste sich aus der Situation begeben, da er über Reizungen klagte.

Daraufhin wurden alle zu dem Zeitpunkt in der BAIZ befindlichen Personen dort mehr als eine Stunde lang festgehalten, ohne jede Erklärung oder Rechtfertigung. Erst nach dieser langen Zeit – offenbar um einen verfehlten Einsatz zu rechtfertigen – mussten dann viele von ihnen ihre Personalien abgeben, wurden teils einem Atemalkoholtest unterzogen und fotografiert. Mehrere Personen wurden mit schwerwiegenden Anzeigen bedroht. Nach den Aussagen der tätigen Polizisten müssen wir schlussfolgern, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt alle in der BAIZ befindlichen Personen zu Tatverdächtigen wurden, damit die Einsatzkräfte ihre inzwischen abgesprochene Version des brutalen Einsatzes “beweisen” können. Gegenüber den Babelsberg-Fans äußerten sie dafür widersprüchliche Vorwürfe und Zuordnungen, vielleicht sogar um sie bewusst zu täuschen. So wurde eine Person aufgefordert, ihren Ausweis abzugeben, da sie Zeugin sei. Bei der Rückgabe ihres Dokuments hieß es dann, sie müsse mit einer Anzeige rechnen.

Wir sind – wieder einmal – entsetzt über das Vorgehen der Polizei. Immer wieder sind Fußballfans mit massiver, überzogener und nicht zu rechtfertigender Polizeigewalt konfrontiert. In diesem Fall leiden die Betroffenen doppelt. Denn erst wurden Babelsberg-Fans von Neonazis angegriffen, dann von der Polizei. Statt die Betroffenen zu schützen und die Angreifer zu verfolgen, wurden die Opfer der Situation kriminalisiert – um das eigene Fehlverhalten zu vertuschen.

Die Polizei muss diesen völlig verfehlten Einsatz daher schnell aufklären und alle Vorwürfe gegen die Kneipenbesucher*innen fallen lassen. Offenbar handelten Einsatzgruppen nebeneinanderher und mit gegensätzlichen Zielen. Die Aussagen mehrerer Beamter lassen nur darauf schließen, dass viele nicht einmal wussten, weshalb sie an diesem Ort waren. Neben dem anscheinend völlig planlosen Vorgehen schockiert dessen Art und Weise. Dass im Anschluss an dieses Fehlverhalten noch Anzeigen angekündigt wurden, lässt nur den Schluss zu, dass der Aussetzer gegenüber Vorgesetzten und anderen Behörden im Nachhinein irgendwie begründet werden muss. Das werden wir nicht akzeptieren und werden mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln auch dagegen vorgehen.

Fanbeirat Babelsberg

 

jh

 

 

 

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